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76 Kubikmeter Unsinn

Solvium verweigert Antworten

06.06.2016 • Kreative Buchführung, Schattenhaushalt oder einfach nur innovatives Geschäftsmodell? Diese Frage stellt sich bei vielen Containerinvestments, die überteuerte Kaufpreise dazu nutzen, um zusätzliche Container auf eigene Rechnung anschaffen. Mit den zusätzlich angeschafften Containern sollen anschließend überhöhte Mieten und überteuerte Rückkaufspreise bezahlt werden. Solvium praktiziert diese Art von Geschäft bisher störungsfrei. Doch Fragen ergeben sich trotzdem. Solvium-Geschäftsführer André Wreth war aber nicht bereit, sie zu beantworten. Über den PR-Berater Jürgen Braatz ließ man ausrichten: „Wir werden Ihre umfangreichen Fragen aufgrund der sehr kurzfristig gesetzten Frist nicht beantworten.“ Übrigens: Die Fragen wurden am Mittwoch mit Frist Freitag gestellt. Und ein oder zwei Tage mehr wären auf Nachfrage natürlich kein Problem gewesen.

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Historie. Seit 2011 bietet Solvium Capital Container-Direktinvestments an. Im Performancebericht 2014 wird die Zahl der Anleger auf 2.300 Kunden mit mehr als 50 Millionen Euro Anlegerkapital beziffert. Das Stammkapital der Solvium Capital GmbH beträgt laut Performancebericht 2014 gerade mal 55.000 Euro.

Presseanfrage. Mehrere der Fragen an Solvium betreffen die bisher nicht im eBundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüsse 2014. Denn Paragraph 325 Handelsgesetzbuch schreibt eine Frist von zwölf Monaten vor und von mehreren Solvium-Gesellschaften sind bisher die Jahresabschlüsse per 31. Dezember 2014 noch nicht veröffentlicht. Obwohl Jürgen Braatz Fragen nicht konkret beantwortet hat, hat er zu diesem Themenkomplex allgemein geschrieben: „Alle Bilanzen der Gruppe sind fristgemäß im Unternehmensregister hinterlegt. Wir sind allen gesetzlichen Vorschriften nachgekommen.“ Aber es steht ja jedem frei, auf www.unternehmensregister.de selbst zu überprüfen, was nun richtig ist…

Unternehmensstruktur. Etwas unübersichtlich ist bei Solvium, wer als Konzeptionär beziehungsweise Emittentin bei den Direktinvestments auftritt. Für die Angebote Container Invest 13-01 und 13-02 ist es die 2013 gegründete Solvium Capital Container Investment GmbH & Co. KG. Für die Exklusiv Produkte 1 bis 5 fungiert die 2012 gegründete Solvium Capital Exklusiv GmbH & Co. KG als Konzeptionärin. Für die verschiedenen Intermodal-Produkte wurde 2014 die Solvium Capital Intermodal GmbH & Co. KG gegründet. Als älteste Konzeptionärin gibt es seit 2011 noch die Solvium Capital Portfolio GmbH & Co. KG, die verantwortlich für die Anleger der Protect 1 bis 6, Protect 1 bis 3, 5 und 6 sowie Container Invest 13-03 ist. Doch damit nicht genug. Das aktuell im Vertrieb befindliche Angebot Container Select Plus wurde von der 2015 ins Leben gerufenen Solvium Capital Vermögensanlagen GmbH & Co. KG emittiert. Diese garantiert den Käufern der 40-Fuss-High-Cube-Standardcontainern für 54 Monaten eine Miete sowie den Rückkaufspreis.

Container Select Plus. Wer begreiffen will, wie Container-Direktinvestments funktionieren, der sollte unbedingt den 98 Seiten umfassenden Verkaufsprospekt lesen. Dann ist auch gut zu verstehen, dass sich andere Anbieter so vehement weigern, solche aufklärenden Informationsunterlagen zu erstellen. Zum Beispiel heißt es dort bei der Vermögensanlage im Überblick: „Während bei ähnlichen Konzepten von Direktinvestments Kaufpreisdifferenzen und Mietüberschüsse zur frühzeitigen Kapitalrückführung verwendet werden, nutzt die Emittentin der vorliegenden Vermögensanlage diese Mittel, um einen zusätzlichen Bestand an Containern aufzubauen und laufend zu erweitern, indem sie auch die Mieterträge aus dem Reservebestand der Container laufend reinvestiert.“ Doch warum verkauft man die Container nicht gleich zum Marktpreis an die Anleger? Diese alles entscheidende Frage beantwortet auch der kurz danach beschriebene Hinweis nicht: „Thesaurierungseffekt und Verkauf der Standardcontainer zusammen führen dazu, dass sich die Emittentin in der Lage sieht, einen Rückkaufpreis zu zahlen, der der Höhe nach dem Kaufpreis entspricht“. Sich in der Lage sieht ist natürlich nicht wirklich viel. Vor allem wenn man noch auf Seite 51 nachliest: „Die Solvium Capital GmbH wird der Emittentin voraussichtlich 65 bis 80 % der Anlageobjekte liefern.“ Und übrigens: Zum Zeitpunkt der Prospektaufstellung verfügt die Emittentin über ein Vermögen in Höhe von 300 Euro!

Preise. So weit die Theorie. In Zahlen sieht das so aus: Den Anlegern sollen 3.000 Container für 10.455.000 Euro verkauft werden (zuzüglich 2 Prozent Agio). Das sind ohne Agio 3.485 Euro pro 40-Fuss-High-Cube-Container! Der Einkauf des Emittenten kostet wiederum 9.702.200Euro, was 3.234 Euro pro Stück entspricht. Am Markt kostet so ein Container allerdings heute nur ungefähr 2.200 bis 2.300 Euro (gerechnet mit 1,7 CEU). Und da die meisten Container dieses Angebots bei der Solvium Capital GmbH und der ebenfalls verflochtenen Noble Container Leasing Limited (Hong Kong) sowie der Noble Container Leasing Singapoure Pte. Ltd. eingekauft werden, ist klar, wo die Gewinne entstehen. Aber die Emittentin muss nach 4,5 Jahren die Kisten für 3.485 Euro zurückkaufen. Dabei schreibt sie doch selbst im Verkaufsprospekt: „Aufgrund der Tatsache, dass sich die Preise für gebrauchtes Equipment an den Neucontainerpreisen orientieren, werden für Altcontainer regelmäßig Preise von rund 50 % der jeweils gültigen Neucontainerpreise erzielt.“ Also ist eine solche gebrauchte Kiste heute ungefähr 1.150 Euro wert. Selbst unter Einrechnung des „Reservebestandes“ muss sich der Markt enorm nach oben entwickeln. Oder anders ausgedrückt: Die Komplementärin der Emittentin, die Solvium Capital GmbH, sollte zu dem Zeitpunkt solvent sein.

Investmentcheck-Meinung. Noch in dieser Woche will Solvium einen neuen Performancebericht veröffentlichen. Bestimmt wird darin zu lesen sein, dass alle Angebote plangemäß verlaufen. Doch wie heißt es immer so schön? In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse sind keine Garantie für die Zukunft. Für Investmentcheck sind wirtschaftliche Risiken dann tragbar, wenn entsprechende unternehmerische Chancen gegenüberstehen. Fair wäre folglich: Für 2.300 Euro plus kleine Unternehmensmarge einen 40-Fuß-High-Cube-Container einzukaufen, ihn für momentan 0,45 Euro pro Tag zu vermieten und dann mittelfristig auf eine positive Marktentwicklung hoffen. Der Verwalter bekommt eine faire prozentuale Gebühr und verdient überdurchschnittlich, wenn der Investor überdurchschnittlich verdient. Von einem Minus bis zu zweistelligen Renditen ist alles möglich. Und weil das bei Solvium Container Select Plus nicht so ist, könnte zugespitzt formuliert werden: In einen 40-Fuß-Standard-High-Cube-Container (Innenmaße: 12,03 x 2,35 x 2,7 Meter) passen 76 Kubikmeter Unsinn.

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