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Marktanalyse Publikums-AIF 2018
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Bettervest ist besonders intransparent

Verbindliche Vorzeichnung für unklares Investment

13.09.2016 • Crowdinvestments sind in! Kritik wird deshalb nicht gerne gehört. Und gerade deshalb ist sie wichtig. So wie der Fall Bettervest einmal mehr bestätigt. Gesucht wird das Kapital für ein „Energiewende-Nachrangdarlehen“ in Höhe von 400.000 Euro. Allerdings steht noch nicht fest, wer das Geld erhalten soll. Es bekommt der Gewinner des „Solar for All Wettbewerbs“, initiiert durch die Canopus Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme. Gesucht wird die innovativste Idee zur dezentralen Stromversorgung ländlicher Gebiete in Schwellen- und Entwicklungsländern. Das mag ja eine sinnvolle Initiative sein. Aber mit einer Kapitalanlage, bei der Investoren ein Zinssatz von 5 Prozent über eine Laufzeit von 8 Jahren angeboten wird, hat das wenig gemein.

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Vorvertrag. Eigentlich kann noch kein richtiger Darlehensvertrag geschlossen werden, da der Darlehensnehmer der noch nicht feststehende Gewinner eines Wettbewerbes ist. Trotzdem gibt es bereits einen „Vorvertrag über die verbindliche Zeichnung eines Energiewende-Nachrangdarlehen“. Besonders interessant erscheint dabei die Klausel zum Zustandekommen des Fundings: „Die Wirksamkeit aller rechtlichen Verpflichtungen aus diesem Vertrag steht unter der auflösenden Bedingung, dass das Projekt bis spätestens zum 31.12.2016, 24.00 Uhr nicht im Rahmen geltenden Rechts auf der Plattform zum offiziellen Crowdfunding eingestellt wurde.“ Gut, man muss schon zweimal lesen, um zu verstehen was vermutlich gemeint ist: Das Crowdfunding darf nicht eingestellt werden. Das heißt, das Geld muss erfolgreich gesammelt werden. Davon ist auszugehen, wie bettervest an anderer Stelle selbst schreibt: „Die gemeinnützige Canopus Stiftung wird einen […] möglicherweise noch fehlenden Restbetrag nach Bekanntgabe des ‚Solar for All‘-Gewinners aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellen. Das Projekt wird also in jedem Fall erfolgreich finanziert.“

Hinweis auf das aktuelle Investitionsangebot
Quelle: Homepage Bettervest.de vom 13. September 2016

Eckdaten. 8 Jahre Laufzeit und 5 Prozent Verzinsung. Das sind die entscheidenden Eckdaten aus Sicht eines Investors. Hinzu kommt, dass die Tilgung nicht in einem Betrag am Ende, sondern anniutätisch über die Laufzeit erfolgt. In Zahlen ausgedrückt erhält der Anleger jährlich 15,5 Prozent seiner Einlage als Zins und Tilgung ausbezahlt. Doch wie soll so ein hoher Cash-Flow mit einer Idee für Strom in ländlichen Gebieten von Schwellen- und Entwicklungsländern erwirtschaftet werden? Eigentlich eine ganz wichtige Frage, die bettervest auf Anfrage nicht beantwortet hat.

Loipfingers-Meinung. Es ist schon ein Schildbürgerstreich, den Gewinner eines Ideenwettbewerbs mit nachrangigem Kapital zu versorgen, und das gleichzeitig einem Investor als sinnvolle Geldanlage anzupreisen. Auch vor dem Hintergrund des Vermögensanlagengesetzes hat bettervest wohl eher ein Eigentor geschossen. Gibt es eigentlich ein Vermögensanlagen-Informationblatt? Und wenn ja, was steht angesichts des Projektstadiums drin? Warum wird das nicht zum Download angeboten? Auf welcher Basis soll ein Geldgeber eine Anlageentscheidung treffen? Bettervest hat auf die Fragen nicht geantwortet. Dafür wird mit dem Schirmherr Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizäcker geworben: „bettervest steht für ein innovatives Konzept, das es uns ermöglicht, Energieeffizienz-Projekte in Gang zu setzen, umweltpolitische Ziele unmittelbar zu erreichen und Bürger am Gewinn zu beteiligen. Ein Konzept, welches die Energiewende aus Bürgerhand mit Gewinn für alle Beteiligten stärkt und das ich gerne unterstütze.“ Aus Anlegerschutzsicht ein fragwürdiges Statement vom Co-Präsidenten des Club of Rome.

Stellungnahme bettervest, 5. Dezember 2016: Sehr geehrte Investmentcheck-Redaktion, hiermit möchten wir zu Ihrer Kritik an der Darstellung des oben genannten Projektes noch mal Stellung nehmen. Einleitend ist zu sagen, dass es sich bei dem Projekt „Solar for all“ um einen Sonderfall handelt. Eine Experten-Jury unter Vorsitz der gemeinnützigen Canopus Stiftung und dem Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme sollte hier zunächst ein geplantes Erneuerbare Energien Projekt in einem Schwellen- bzw. Entwicklungsland technisch und wirtschaftlich bewerten, bevor es zu einer Schwarmfinanzierung über die Plattform bettervest kommt. Da eine Schwarmfinanzierung oft mehrere Monate in Anspruch nehmen kann, sollte, um eine möglichst zeitnahe Realisierung des Gewinner-Projektes zu realisieren, das grundsätzliche Interesse der registrierten Nutzer von bettervest.com bereits vorab abgefragt werden. Da noch kein Vertragspartner feststand und auch noch nicht alle für die Investition relevanten Details des möglichen Projektes vorab festlegbar waren, konnte nach unserer Einschätzung zu keinem Zeitpunkt ein rechtlich bindender Vertrag geschlossen werden. Darüber hinaus konnte ohne diese Angaben auch kein Vermögensinformationsblatt erstellt und bei der BaFin hinterlegt werden. Ziel unseres von Ihnen dargestellten Vorgehens war es die grundsätzliche Investitionsbereitschaft der Investoren für ein Projekt dieser Art abzufragen. Es war nicht unsere Absicht, bereits rechtsverbindliche Vor-Zeichnungserklärungen der Investoren einzuholen. Ansonsten hätten wir das Projekt in unserem regulären Zeichnungsverfahren online gestellt, was aber aus den genannten Gründen nicht möglich war. Ihrer Kritik folgend haben wir die Formulierungen aber abgeändert und hoffen, dass wir damit alle Missverständnisse aus dem Weg räumen konnten.

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