Hier bestellen
Marktanalyse Publikums-AIF 2018
News

Gesetzesänderung killt Crowdplattform

Innovestment wird nach Insolvenzantrag aufgelöst

17.11.2017 • FinTechs jagen Banken und andere klassische Finanzunternehmen. Aber die Jäger jagen auch andere Jäger. Es herrscht ein massiver Verdrängungswettbewerb. Am Ende werden nur ein paar überleben. Das gilt auch bei den Schwarmfinanzierungsplattformen. Mit Innovestment schlitterte nun eine in die Insolvenz, um die es Schade ist. Deren Beteiligung über so genannte Special Purpose Vehicles (SPVs) ist aus Anlegersicht eigentlich ein Fortschritt. Aber eine Gesetzesänderung behindert diese verbraucherfreundliche Konstruktion.

Weitere Texte

  • Rund 2,5 Milliarden Euro vernichtet »

    Eine Million P&R-Container sind verschwunden

    Gut acht Wochen nach den ersten Insolvenzanträgen haben sich nun die vorläufigen Insolvenzverwalter und die Staatsanwaltschaft München gleichzeitig zu Wort gemeldet. Dieses vermutl ...

  • P&R: Mieteinnahmen ohne Eigentumsübergang? »

    Ein Kommentar von Rechtsanwältin Corinna Ruppel, LL.M.

    Vieles wurde bereits geschrieben zur Frage des Eigentumserwerbs an den Containern. Es verfestigt sich hier immer mehr der Eindruck, dass trotz Abschluss eines Kaufvertrages die mei ...

  • Falsche Eigentumszertifikate »

    Teure P&R-Neucontainer sind teilweise uralt

    Rund 5.000 der 54.000 P&R-Anleger haben Eigentumszertifikate für die von ihnen erworbenen Standardboxen. Doch den mühsamen Check, was sich hinter den einzelnen Containernummern tat ...

  • Weit über 50.000 falsche Steuererklärungen? »

    P&R-Anleger erwartet Stress mit dem Finanzamt

    Steuermotive waren schon immer eine starke Triebfeder bei Geldanlagen. Auch P&R hat Steuervorteile in Aussicht gestellt. Doch das war immer an die Bedingung gekoppelt, dass die Anl ...

  • P&R – Eigentum und Eigentumszertifikate »

    Ein Kommentar von Rechtsanwalt Dr. Jürgen Machunsky

    Zurzeit drehen sich viele Fragen der P&R Anleger um das Eigentum an den Containern und die Bedeutung der Eigentumszertifikate und der Registernummern. Die Eigentumszertifikate habe ...

  • Haftet die BaFin im Fall P&R? »

    Erste Anwaltskanzlei prüft Ansprüche

    Das Versagen der BaFin im Fall P&R ist offenkundig. 400 Millionen Euro Anlegerkapital wurden in 2017 mit Verkaufsprospekten eingesammelt, die von der BaFin so nicht gestattet werde ...

  • Gebrauchtcontainer als neu verkauft »

    Bei P&R mehren sich strafrechtlich relevante Vorwürfe

    Aufwändige Kleinarbeit bei der Bestandsaufnahme als höfliche Umschreibung für Chaos haben die vorläufigen Insolvenzverwalter von P&R bereits bestätigt. Allerdings stellt sich zuneh ...

Insolvenz. Die Firma Innovestment GmbH wurde 2011 gegründet und hat kurz darauf mit atypisch stillen Beteiligungen und Genussrechten Geld eingesammelt. Geschäftsführende Gesellschafterin war Christin Friedrich. Seit 2015 verfolgte die Crowd-Plattform die Idee der Special Purpose Vehicles. Diese ist nun aufgrund einer Gesetzesänderung gescheitert. Im November wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Am 14. November wurde die Firma aufgelöst.

Eine gute Idee konnte sich nicht durchsetzen
Quelle: Homepage innovestment.de

SPV. Die Idee von Innovestment war, Crowdinvestoren über Zweckgesellschaften an Startups und anderen Unternehmen zu beteiligen. Hintergrund ist das Vermögensanlagengesetz, das bei Schwarmfinanzierungen über Nachrangdarlehen oder partiarischen Darlehen nur eine Gläubigerrolle mit eigenkapitalähnlichen Risiken zubilligt. Um nun zumindest indirekt Kontroll- und Mitspracherechte für die Schwarmfinanzierer darzustellen, sammelte Innovestment das Geld in jeweils neu gegründeten Special Purpose UGs, die sich wiederum als vollwertige Gesellschafter an den Zielunternehmen beteiligten. Die Geschäftsführerin der UGs wurde ergebnisabhängig mit einer Erlösbeteiligung von fünf Prozent entlohnt.

Gesetzesänderung. Im Sommer 2017 wurde das Gesetz zur Umsetzung der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie verabschiedet. Darin enthalten sind Änderungen, die das Vermögensanlagengesetz betreffen. Eine grundsätzlich sinnvolle Anpassung betrifft Schwarmfinanzierungen, die nach Paragraph 2a Absatz 5 nun eine Verflechtung zwischen Plattform und Emittent verbietet. Bereits vorgekommene Auswüchse, bei denen die Plattformen für sich selbst Geld sammelten oder eigene Projekte finanzierten, sollen so unterbunden werden. Vermutlich unbeabsichtigt betroffen ist damit allerdings auch das verbraucherfreundliche SPV-Konstrukt.

Investoren. Direkt von der Insolvenz betroffen sind die Investoren nicht. Deren Geld ist in die Unternehmen investiert, mit denen die jeweiligen Verträge geschlossen wurden. Christin Friedrich hat den Investoren deshalb mitgeteilt: „Die Ihrem Investment zugrundeliegenden Verträge (z. B. Nachrangdarlehensverträge, Atypisch Stille Beteiligungsverträge) bleiben vom Plattformbetrieb und der gesamten Geschäftsbeziehung zu Innovestment unberührt. Die Vertragsbeziehungen zum Emittenten sind so ausgestaltet worden, dass auch eine direkte Kommunikation und ein Informationsaustausch (insbesondere zur Erfüllung von Berichts- und Mitteilungspflichten) zwischen Investoren und den jeweiligen Start-up (Emittenten) möglich ist.“

Loipfinger’s Meinung. Schwarmfinanzierungen sind in der heutigen gesetzlichen Ausgestaltung extrem anlegerunfreundlich. Innovestment hat mit ihrer SPV-Konstruktion versucht, die gesetzlichen Vorgaben mit sinnvollen direkten Beteiligungen an den Zielunternehmen zu verbinden. Das ist in der bisherigen Form nicht mehr möglich. Nur eine Trennung der SPV bei Geschäftsführung und Gesellschafterstruktur von der Crowdplattform wäre noch zulässig. Noch besser wäre es allerdings, wenn der Gesetzgeber gleich richtige Beteiligungen an den Emittenten zulassen würde, wodurch Mitsprache- und Kontrollrechte gegeben wären.

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...