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Marktanalyse Publikums-AIF 2018
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Falsche Eigentumszertifikate

Teure P&R-Neucontainer sind teilweise uralt

12.05.2018 • Rund 5.000 der 54.000 P&R-Anleger haben Eigentumszertifikate für die von ihnen erworbenen Standardboxen. Doch den mühsamen Check, was sich hinter den einzelnen Containernummern tatsächlich verbirgt, machte offenbar fast keiner. Sonst hätte viel früher auffallen müssen, dass viele der Zertifikate falsch sind.

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Nummernsystem. Eine Containernummer besteht aus vier Buchstaben und sieben Ziffern. Die ersten drei Buchstaben benennen den Halter der Box, der vierte Buchstabe die Art des Containers. Vergeben wird diese Buchstabenkombination vom 1933 gegründeten Bureau International des Containers et du Transport Intermodal in Paris. Wer den Halter eines Containers ermitteln will, kann das über das BIC Code Register tun. Die anschließenden Zahlen vergibt der Halter, in dem er seine Container einfach durchnummeriert. Allerdings stehen im dafür nur sechs Ziffern zur Verfügung, weil die siebte Zahl eine Prüfziffer ist. Die ganz großen Containermanagementgesellschaften haben deshalb mehrere Buchstabencodes für sich reserviert.

Zertifikate mit den Buchstaben "LF" sollen eigentlich Neucontainer enthalten. Doch viele davon sind falsch.
Bild: anonymisierter Ausschnitt eines Zertifikats mit Neucontainern

P&R-Eigentumszertifikate. Nicht einmal zehn Prozent der Anleger haben laut den vorläufigen Insolvenzverwaltern der Kanzlei Jaffé ein Eigentumszertifikat für ihre gekauften Container vorliegen. Das lag daran, dass P&R diese nur auf Anforderung übersandte. Allein das ist schon ungewöhnlich, weil die Zusendung eines Zertifikates vertrauensbildend wirkt und das ein Anbieter deshalb schon aus Marketinggründen tun sollte. Doch warum hat P&R auf diese relativ günstige Verkaufsförderungsmöglichkeit verzichtet?

Fehlende Prüfziffer. Auffällig bei P&R ist nicht nur die Tatsache, dass Zertifikate erst auf Anforderung zur Verfügung gestellt wurden. Die Grünwalder Marktführer haben in den wenigen ausgestellten Zertifikaten neben den Buchstaben auch nur sechs Zahlen angegeben, so dass ein interessierter Anleger erst mühsam die Prüfziffer errechnen musste, um die einzelnen Container tracken zu können. Ein rechtlich interessanter Kniff, da die Nummer zwar eindeutig, aber trotzdem nicht vollständig war. Ob das verhindern sollte, dass sich Investoren zu sehr mit ihren Containern beschäftigten?

Nummerncheck. Vor zwei Wochen hat investmentcheck Leserinnen und Leser dazu aufgefordert, vorliegende Zertifikate mit Informantenschutz zur Prüfung zu übersenden. Auf diese Art und Weise konnten 69 verschiedene Zertifikate mit hunderten von Containern geprüft werden. Besonders interessant war der Abgleich des tatsächlichen Alters mit den P&R-Angaben. Da die Gebrauchtcontainer von P&R typischer weise ohne Altersangabe verkauft wurden, waren Vergleiche nicht möglich. Anders bei den als neu deklarierten Boxen. Rund ein Drittel der Zertifikate sollte Neucontainer enthalten. Tatsächlich war das häufig ganz anders: P&R hat Neupreise kassiert, aber auf Anforderung nur Gebrauchtcontainer geliefert!

Beispiel 1. Im Mai 2016 hat P&R mit dem Angebot 302 neue 20-Fuß Standard Stahl Container (ST 1632 G) [Wer weiß eigentlich, was diese Nummern auf den P&R Angebotsblättern bedeuten?] verkauft. Der Preis pro Box lag bei stolzen 2.070 Euro. Der Marktpreis von solchen Containern betrug im 1. Quartal 2016 allerdings nur 1.350 bis 1.400 US-Dollar pro CEU (Cost Equivalent Unit), was mit 1,10 US-Dollar/Euro umgerechnet einem Wert von 1.250 Euro entsprach (Quelle: Textainer Group Holdings Ltd., Investor Presentation, May 2016: Q1 2016 Industry Conditions). Doch damit nicht genug. Für den völlig überhöhten Preis hat P&R dem Anleger, dessen Zertifikat investmentcheck in Kopie vorliegt, einen im November 2013 von China International Marine hergestellten Container geliefert. Die als neu verkaufte Box war also schon Zweieinhalb Jahre alt.

Beispiel 2. Im August 2012 verkaufte P&R mit dem Angebot 265 neue 40-Fuß High Cube Container (HC 1213 G) für 4.945 Euro pro Stück. Halter der Boxen auf diesem Zertifikat ist CAI International. Ein Teil der Container ist heute in deren Datenbank schon nicht mehr vorhanden. Die heute noch gefundenen Container sind im April 2000 von Tianjin Int’l Maritime Container in China produziert worden. Zum Zeitpunkt des Verkaufs, als sie eigentlich neu sein sollten, waren sie also schon zwölf Jahre alt.

Beispiel 3. Das im Frühjahr 2014 verkaufte Containerpaket Nr. 282 sollte neue 40-Fuß High Cube Container enthalten. Der dafür aufgerufene Preis lag bei 3.980 Euro. Das von Heinz Roth erst nachträglich ausgestellte Zertifikat weißt Saeco als Halter aus. Und zu allem erstaunen sind die Container nicht 40-Fuß, sondern nur 20-Fuß groß.

Beispiel 4. Ein anderes Problem zeigt sich bei dem Angebot 277 vom September 2013. Es enthielt neue 20-Fuß Standard Stahl Container (ST 1332 G) zum Preis von 2.570 Euro. Zur Vermietung hat P&R den Anleger zugesichert, dass diese Container bei Lieferung bereits vermietet seien. Doch bei einem Anleger, der sein Zertifikat erst einige Jahre nach dem ursprünglichen Kauf angefordert hat, konnte das nicht stimmen. Denn sein von Blue Sky Intermodal gemanagter Container wurde erst im November 2016 hergestellt. Diesen Container gab es zum Kaufzeitpunkt also noch nicht! Er konnte im September 2013 also auch noch nicht vermietet gewesen sein.

Loipfinger’s Meinung. Welcher Geschäftsführer unterschreibt Eigentumszertifikate mit falschen Containernummern ohne Not? Das dürfte Urkundenfälschung sein. Und wenn ohnehin nicht einmal zehn Prozent der Anleger ein Zertifikat angefordert haben, dann lässt das dramatische Bestandsabweichungen befürchten. Den paar Anlegern hätte man doch neue Container zuordnen können müssen? Wen das schon nicht möglich war, dann ist der Bestand an Neutonnage verschwindend. Als alternative Erklärung bleibt nur eine gigantische Schlamperei. Aber zu Martin Ebben, Geschäftsführer der insolventen Gesellschaften seit Juni 2017, passt beides nicht. Voraussichtlich am kommenden Donnerstag werden wir mehr wissen. Die vorläufigen Insolvenzverwalter haben angekündigt, eine neue Wasserstandsmeldung zu veröffentlichen. Vielleicht wissen wir dann, wie viele der 1,25 Millionen Container tatsächlich existieren und wie alt diese sind.

Service. Anleger mit Eigentumszertifikat können von investmentcheck ihre Containernummern checken lassen. Es gilt voller journalistischer Informantenschutz. Anfragen bitte an info@investmentcheck.de richten.

Bisherige P&R-Berichterstattung (chronologisch):
- Bestätigungsvermerke nur mit Einschränkungen (22. Juli 2016)
- Fragwürdige Mietunterdeckungen bei P&R (26. Juni 2017)
- Buch „Achtung, Anlegerfallen!“ ab Seite 221 (erschienen 27. Februar 2018)
- Wie groß ist das Feuer unterm Dach? (8. März 2018)
- Insolvenzanträge bei P&R (19. März 2018)
- P&R –Schwindeleien gehen weiter (26. März 2018)
- Erste traurige Wahrheiten (18. April 2018)
- Weitere Insolvenzanträge bei P&R (27. April 2018)
- Haftet die BaFin im Fall P&R? (3. Mai 2018)
- P&R – Eigentum und Eigentumszertifikate (4. Mai 2018)
- Weit über 50.000 falsche Steuererklärungen? (5. Mai 2018)
- Gebrauchtcontainer als neu verkauft (6. Mai 2018)

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