Hier bestellen
Marktanalyse Publikums-AIF 2019
News
Suche nach:

Gläubigertreffen bei P&R-Gründer Heinz Roth

Sicherung von Vermögenswerten bringt vor allem moralische Genugtuung

24.05.2019 • Gestern fand in München die erste Gläubigerversammlung im Insolvenzverfahren des P&R-Gründers Heinz Roth statt. Im Vergleich zu den Großveranstaltungen bei den Berichtsterminen der P&R-Gesellschaften im vergangenen Herbst war es relativ ruhig. Nur 50 Gläubiger waren persönlich oder anwaltlich vertreten anwesend. Insgesamt 1.500 Gläubiger haben zusammen mehr als eine Milliarde Euro Forderungen angemeldet. Dem steht ein bescheidenes Vermögen gegenüber. Immobilien in Grünwald, Österreich und auf der Karibikinsel St. Barth bilden laut Insolvenzverwalter Miguel Grosser den Großteil des Vermögens.

Weitere Texte

  • Jäderberg & Cie. ohne aktuelle Buchhaltung »

    Verschiedene Jahresabschlüsse der Jäderberg-Gruppe sind völlig veraltet

    Der Jahresabschluss eines Unternehmens ist seine Visitenkarte. Wer keine aktuellen Daten ausweist, liefert kein gutes Erscheinungsbild. Die Jäderberg-Gruppe hat bei einigen Unterne ...

  • Zwei Zinsland-Fundings ausfallgefährdet »

    Ein Insolvenzantrag hat dramatische Folgen für Crowdfundings von Zinsland

    Im Sommer 2017 hat die Crowdplattform Zinsland.de erstmals Geld für eine Immobilienentwicklung der AZP Holding gesammelt. 522 Anleger investierten 966.000 Euro in ein Wohn- und Ges ...

  • UDI-Anleger verlieren Geld »

    Ein unmoralisches Angebot von Stefan Keller

    Stefan Keller hat 1.100 Anlegern der Angebote Solar Sprint Festzins II und III eröffnet, dass sie ihr Geld vermutlich nicht vollständig zurück erhalten werden. Derzeit ist nicht ab ...

  • BGH soll über Anfechtungen bei P&R entscheiden »

    Insolvenzverwalter bieten den P&R-Anlegern einen Vergleich an

    8,6 Tonnen Papier verschicken die Insolvenzverwalter der P&R-Unternehmen in den nächsten Tagen an 54.000 Anleger. Ausführlich erklärt wird darin, warum sich der Betrag für die Ford ...

  • Hase-und-Igel-Spiel »

    Life Forestry Switzerland tanzt der BaFin auf der Nase herum

    Die Dreistigkeit mancher Anbieter kennt keine Grenzen. Nachdem die BaFin im Herbst letzten Jahres das Angebot „Teakinvestment“ von der Life Forestry Group wegen fehlendem Verkaufsp ...

  • Vermögensanlagen stärker auf dem Prüfstand »

    BaFin bellt laut! Aber beißt sie auch?

    Kennen Sie das Referat „Operative Missstandsaufsicht, Produktintervention“ bei der Finanzaufsicht BaFin? Ilja Gafarov und Miriam Geßler arbeiten dort und haben sich im aktuellen Ba ...

  • UDI bittet Anleger um Geduld »

    Statt sich vorwiegend um Altprobleme zu kümmern will Stefan Keller neue Geschäftsbereiche erschließen

    Der neue UDI-Chef Stefan Keller reagiert auf öffentliche Kritik mit einem zwölfseitigen Interview. Die Fragen stellen ein Medientrainer und sein neuer PR-Berater Klaus Kocks. Folgl ...

Beschluss. Wichtige Funktion einer Gläubigerversammlung ist die Wahl des endgültigen Insolvenzverwalters. Dabei wurde der vorläufige Verwalter Miguel Grosser von der Kanzlei Jaffé einstimmig bestätigt. Er hat jetzt die Aufgabe, das Vermögen von Roth zu lokalisieren und zu verwerten. Von ersten Erfolgen hat er schon berichtet. Auch ein wertvolles Grundstück, das Roth durch Schenkung noch in Sicherheit bringen wollte, hat er durch Anfechtung der Vermögensübertragung zurückgeholt. Darüber hinaus gibt es Immobilienbesitz in Grünwald, Österreich und auf der Karibikinsel St. Barth. Dazu beschloss die Gläubigerversammlung eine Verwertung, um das Vermögen der Masse zuzuführen.

Geschädigte P&R-Anleger dürften nun zumindest etwas Genugtuung erhalten.
Quelle: Heinz Roth in einem Video von Cash.-TV aus dem Jahr 2005

Weiteres Vermögen. Zumindest bisher liegen die Vermögenswerte von Roth weit unter den angemeldeten Forderungen. Grosser erwartet „allenfalls eine marginale Quote“. Das könnte sich nur ändern, wenn weiteres – bisher verstecktes – Vermögen gefunden würde. Oder wenn Grosser auch die Übertragung der Anteile an der P&R Equipment & Finance in der Schweiz anfechten würde. P&R-Anleger müssten dann ihren Schaden zusätzlich über eine deliktische Haftung bei Roth geltend machen, um von den vorhandenen Containerbeständen zu profitieren. Das würde alles verteuern und die gesamten Verfahren ewig in die Länge ziehen. Aus Sicht der Anlegergesamtheit bringt das nichts, weshalb die Wahl des Insolvenzverwalters Grosser aus der Kanzlei Jaffé richtig und gut erscheint. Rechtsanwalt Peter Mattil sieht das als Vertreter vieler Anleger und Mitglied des Gläubigerausschusses ebenso: „Eine Anfechtung der Anteilsübertragung macht für die geschädigten Investoren wirtschaftlich absolut keinen Sinn.“

Quotenspiel. Bei einem von Miguel Grosser momentan auf bis zu 20 Millionen Euro geschätztem Vermögen und aktuell angemeldeten Forderungen von 1,1 Milliarden Euro könnte sich eine Quote um ein Prozent ergeben. Tendenziell dürfte die Quote sogar etwas darunter bleiben, weil noch mit weiteren Forderungsanmeldungen auf bis zu insgesamt zwei Milliarden Euro gerechnet wird. Den größten Teil des Kuchens wird Jaffé für die Massen bei den P&R-Gesellschaften erhalten. Wenn Anleger zusätzlich direkt Ansprüche aufgrund deliktischem Handeln anmelden, dann sind die Zeiträume entscheidend, von wann bis wann Roth bei welcher Gesellschaft als Geschäftsführer verantwortlich war und wann sich die Ansprüche des Anlegers begründeten. Roth war bei den vier Emittentengesellschaften nur von Juli/September/Dezember 2016 bis Juni 2017 direkt in der Verantwortung. Susanne Schmidt-Morsbach von der Kanzlei Schirp rät momentan von einer Forderungsanmeldung ab: „Nur wenn Miguel Grosser die Anteilsübertragung der P&R Equipment & Finance anfechten würde, macht eine Forderungsanmeldung Sinn.“ Sie weist außerdem darauf hin, dass Forderungen auch noch später angemeldet werden könnten, wobei hier Verjährungsfristen für die deliktischen Handlungen zu beachten sind.

Loipfinger’s Meinung. Auch wenn Interessenskonflikte durch Verflechtungen regelmäßig kritisch zu sehen sind, so ist dies bei der Roth-Privatinsolvenz aus Anlegersicht absolut positiv. Ein fremder Insolvenzverwalter würde höchstwahrscheinlich die Übertragung der Aktien an der Schweizer P&R anfechten. Jaffé müsste dieser widersprechen. Jahrelange teure Rechtsstreitigkeiten wären programmiert.
Ansonsten ist es schwer zu sagen, ob die Anmeldung einer Forderung gegenüber Roth für geschädigte P&R-Anleger etwas bringt. Grundsätzlich ist Michael Jaffé als mit Abstand größter Gläubiger bei Roth schon für die Investoren aktiv. Das dadurch kassierte Vermögen fließt in die Masse bei den P&R-Gesellschaften und kann von dort verteilt werden.

Die gesammelte P&R-Berichterstattung bei investmentcheck ist hier abrufbar

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...