Hier bestellen
Marktanalyse Publikums-AIF 2019
News
Suche nach:

Scheinbare Schwarmfinanzierung

Zinsland legt das Vermögensanlagengesetz eigenwillig aus

10.01.2018 • Schwarmfinanzierungen sind privilegiert, da sie keinen Verkaufsprospekt erstellen müssen. Als Voraussetzung hat der Gesetzgeber eine Fundinggrenze von maximal 2,5 Millionen Euro definiert. Die Tecklenburg GmbH hat mit fünf Fundings über Zinsland nun aber mehr Geld eingesammelt als erlaubt. Als Erklärung dafür wird allerdings mehr eine nachträgliche Rechtfertigung als eine nachvollziehbare Begründung geliefert.

Weitere Texte

  • Erste Anklageerhebung im Fall P&R »

    Staatsanwaltschaft München vermutet gewerbsmäßigen Betrug

    Ein ungewöhnlich hohes Tempo legt die Staatsanwaltschaft München mit der Klageerhebung gegen Heinz R. vor. Ihm wird im Fall des Containeranbieters P&R der Vorwurf des gewerbsmäßige ...

  • Nächstes Companisto-Funding insolvent »

    Nach drei Finanzierungsrunden ist die „Revolution“ von LUUV gescheitert

    Insgesamt 632 Companisten investierten durch qualifiziert nachrangige partiarische Darlehen gut 400.000 Euro in Luuv, dem Erfinder des „revolutionären Kamerastativs solidLUUV“. Zuv ...

  • Klarstellung ohne Mehrwert »

    BaFin will Verbrauchervorschrift nicht konkretisieren

    Seit 3 ½ Jahren gibt es nun die Vorschrift des Paragraph 11a Vermögensanlagengesetz (VermAnlG). Darin geht es um eine Ad-hoc-Pflicht für Vermögensanlagen. Eine ganz wichtige Änderu ...

  • Da läuft einiges aus dem Ruder »

    Führender Öko-Vertrieb UDI muss immer mehr Probleme einräumen

    Georg Hetz hat das von ihm vor 20 Jahren gebaute und die ganze Zeit als Kapitän gelenkte „Schiff UDI“ verlassen. Mit wie viel Wasser im Rumpf der neue Kapitän Stefan Keller zu kämp ...

  • Nicht geleistete Rückzahlung »

    Fällige Einlagen bei CapStar one nicht zurückgezahlt

    Wer bei CapStar one an besondere Sicherheit wie bei der AirForce One dachte, der wird nun vermutlich enttäuscht. Denn die per Ende November 2018 fälligen Rückzahlungen aus gekündig ...

  • Vogelfreier Freiherr »

    Ist Freiherr von Gregory mit Anlegergeld ausgeflogen?

    Am 22. September 2016 hat Franz Freiherr von Gregory einen Verkaufsprospekt für Genussrechte im Gesamtwert von 30 Millionen Euro unterschrieben. Die BaFin hat das Anlagemodell ohne ...

  • Privatinsolvenz von Heinz Roth »

    P&R-Insolvenzverwalter Jaffé hat für Heinz Roth einen Insolvenzantrag gestellt

    Auf 700 Millionen Euro hat Michael Jaffé in den Insolvenzgutachten den durch Heinz Roth in seiner Zeit als Geschäftsführer der P&R-Gesellschaften entstandenen Schaden beziffert. Da ...

Gesetz. Die Befreiungen für Schwarmfinanzierungen gelten laut Paragraph 2a Vermögensanlagengesetz nur, wenn „der Verkaufspreis sämtlicher angebotener Vermögensanlagen desselben Emittenten 2,5 Millionen Euro nicht übersteigt”. Eigentlich müsste damit schon alles gesagt sein. Wer dennoch Zweifel hat, der kann im Duden nachlesen, dass die Wortbedeutung von „sämtlicher“ mit nachdrücklich für alles oder die gesamten übersetzt werden kann. Also die Summe aller jemals angebotenen Vermögensanlagen.

Die Obergrenze für Schwarmfinanzierungen wurde in Summe deutlich überschritten.
Quelle: eigene Recherchen

BaFin. Bereits vor einem halben Jahr hat Investmentcheck in Zusammenhang mit Exporo über das Problem berichtet. Schon damals wurde eine ergänzende Klarstellung der Aufsichtsbehörde BaFin veröffentlicht: „Die Formulierung des § 2a Abs. 1 Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) ‚wenn der Verkaufspreis sämtlicher von dem Anbieter angebotener Vermögensanlagen desselben Emittenten 2,5 Millionen Euro nicht übersteigt‘ bezieht sich gemäß Gesetzeswortlaut (‚sämtliche‘) auf alle von dem Anbieter angebotenen Vermögensanlagen desselben Emittenten, unabhängig davon, ob bereits eine Tilgung derselben erfolgt ist, oder nicht. Die Summe bezieht sich hierbei auf das Angebot, nicht auf den gezeichneten Betrag. Bitte berücksichtigen Sie in diesem Zusammenhang auch, dass hierzu auch die Emissionsvolumen von gebilligten Vermögensanlagenverkaufsprospekten desselben Emittenten zählen.“

Zinsland. Ganz anders sieht das Zinsland. Sie geben zu, dass die Summe aller Fundings in diesem Fall bei über 2,5 Millionen Euro lag, argumentiert aber, dass die Auslegung auf alle laufenden Finanzierungen richtiger wäre. Angeblich wäre die von Investmentcheck schon im Juli 2017 veröffentlichte Klarstellung der BaFin keine allgemein bekannt Aussage. Sascha Lindemann von Beilquadrat spricht in seinem Statement für Zinsland sogar von einer „möglicherweise vorliegenden Änderung der Verwaltungspraxis“. Zinsland würde die Hinweise von Investmentcheck zum Anlass nehmen, das Gespräch mit der BaFin zu suchen. Außerdem würden sie mit dem Crowdfunding-Verband darüber sprechen.

Verband. Das Gespräch mit dem Bundesverband Crowdfunding zu suchen, wäre schon im Vorfeld anzuraten gewesen. Denn Investmentcheck hat die diesbezügliche Antwort der BaFin bereits im Juli 2017 an den Geschäftsführer Carsten Wenzlaff verschickt. Investmentcheck bat damals um ein Statement zum Exporo-Fall, das allerdings ausblieb.

Transparenzverstoß. In der Anfrage an den Bundesverband ging es damals auch um einen Verstoß gegen die Pflicht zur Veröffentlichung von Jahresberichten. Gemäß den Paragraphen 23 und 26 Vermögensanlagengesetz muss ein Emittent einer Vermögensanlage jährlich spätestens sechs Monate nach Ablauf eines Geschäftsjahres seinen Jahresbericht beim elektronischen Bundesanzeiger einreichen. Der Bundesverband Crowdfunding sieht in seinen Reporting-Guidelines sogar noch strengere Fristen vor. Danach gilt gegenüber den Investoren eine Frist von längstens 90 Tagen nach Geschäftsjahresende (empfohlen werden sogar 60 Tage). Was auch immer. Der Jahresabschluss 2015 der Tecklenburg GmbH wurde am 28. Dezember 2016 völlig viel zu spät veröffentlicht. Die Zahlen für 2016 sind selbst Anfang Januar 2018 noch nicht verfügbar. Eine Rechtfertigung für diese Transparenzverletzung lieferte Michael Traurig von Tecklenburg nicht. Nur dass zwischenzeitlich der Abschluss 2016 beim Bundesanzeiger eingereicht sei, „dort aber wohl noch in Bearbeitung“.

Loipfinger’s Meinung. In 2015 erzielte die Tecklenburg GmbH einen Umsatz von 30 Millionen Euro. Der Gewinn lag bei 867.000 Euro, was inklusive Gewinnvortrag und gezeichnetem Kapital ein Eigenkapital von 5,9 Millionen Euro ergab. Tolle Zahlen, die problemlos in einem Verkaufsprospekt präsentierbar wären. Auch in Bezug auf die nun schon mehrfach völlig verspätete Veröffentlichung der Jahresabschlüsse stellt sich die Frage, warum Zinsland nicht stärker auf eine ausreichende Transparenz drängt.

[schließen]
X

Dokument hochladen (PDF/DOC/XLS/PNG/GIF)

  • warte ...