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Zweifel an ThomasLloyd

Wie viel Geld steckt bei ThomasLloyd wirklich in Infrastrukturinvestments?

08.10.2019 • Mit einem Platzierungsvolumen von über einer Milliarde Euro ist ThomasLloyd einer der größten Anbieter von geschlossenen Fonds und ähnlichen Anlageformen. Allein im vergangenen Jahr kamen 208 Millionen Euro hinzu. Doch die erzielten Erfolge für Anleger werfen zunehmend Zweifel auf. Alternativlose Schreiben, in denen entweder die Auszahlung eines Abfindungsguthabens von Null Euro oder der Tausch in Aktien angeboten wird, sind nur ein bedenkliches Thema. Die Frage nach den vorhandenen Assets im Vergleich zu den gesammelten Geldern ein anderes.

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Fragwürdige Verschmelzung. Investmentcheck liegen mehrere Briefe vor, in denen Anlegern der deutschen DKM Global Opportunities Fonds 01 GmbH und der österreichischen ThomasLloyd Investments GmbH eine im Grunde alternativlose Umwandlung ihrer Einlage in Aktien der in London neu gegründeten CT Infrastructure Holding Ltd. angeboten wurde. Alternativlos deshalb, weil das Anlegerkapital bei beiden Gesellschaften per Ende 2017 auf Null Euro abgeschrieben wurde und damit kein Abfindungsguthaben zur Verfügung stand. In den Schreiben wird auch von einer „mitunter als wenig zufriedenstellend empfundenen Ertragssituation“ berichtet. Klar, wenn bei einer Reihe von Angeboten dieser ersten Produktgeneration in Form von atypisch stillen Beteiligungen, Genussrechten und Genussscheinen unbefriedigende oder überhaupt keine Ausschüttungen erfolgten. Ursprünglich platziert wurden über diese beiden Firmen von 2003 bis circa 2008 gut 250 Millionen Euro. Um die bis heute verbliebenen Anleger ruhig zu halten, wird ihnen nach der Umwandlung in Aktien ein Börsengang der ThomasLloyd Group Ltd. in den Jahren 2021/2022 in Aussicht gestellt. Was das laut ThomasLloyd bedeuten könnte, soll die Amazon-Aktie als „ein typisches Beispiel“ verdeutlichen. Umgekehrt wäre aus Anlegersicht die Frage erlaubt, ob bei Amazon die Wirtschaftsprüfer früher auch die Bestätigungsvermerke eingeschränkt haben, wie es bei der österreichischen ThomasLloyd Investments jahrelang der Fall war. Zum Beispiel für 2012 erklärte der Prüfer für die damals noch als AG firmierende Gesellschaft, dass der aufgestellte Jahresabschluss „kein ordnungsgemäßes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage“ zeige. Wie das die Jahre danach aussah, ist nicht bekannt, weil ThomasLloyd 2013 eine Umwandlung der AG in eine nicht mehr so transparente GmbH beschloss. Eine Anfrage an ThomasLloyd blieb leider unbeantwortet.

Eine Auswahl an aktuell angebotenen ThomasLloyd-Produkten
Quelle: Deckblätter aktueller Verkaufsprospekte von ThomasLloyd

Zweite Produktgeneration. In den letzten zehn Jahren platzierte ThomasLloyd verschiedene Produkte, deren Anlegerkapital direkt oder indirekt in die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH floss. Rund eine halbe Milliarde Euro Platzierungskapital akquirierten die Cleantech Infrastrukturgesellschaften ein. Hinzu kommen dann noch Direktbeteiligungen von schätzungsweise 70 Millionen Euro. Das verwerfliche bei den geschlossenen Fonds sind völlig veraltete Verkaufsprospekte. Diese zum Teil noch heute verwendeten Verkaufsunterlagen stammen aus den Jahren 2011 bis 2013 mit den jeweils aktuellsten Nachträgen von Anfang 2016. ThomasLloyd begründet das mit einem Bestandsschutz gemäß Kapitalanlagegesetzbuch (Paragraph 353 Absatz 1). Aus Anlegersicht ist das unbefriedigend, wenn damals einfach noch schnell große Beträge über stille Beteiligungen an der ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund GmbH (heute Holding statt Fund) gezeichnet wurden, aber die später getätigten echten Infrastrukturinvestments in den Verkaufsunterlagen nicht benannt sind. Nicht veröffentlichte neuere Nachträge werfen ebenfalls kein gutes Bild auf die Informationspolitik von ThomasLloyd.

Geringe Investments. Wie wichtig aussagekräftige Informationen über bisher getätigte Investments wären, zeigt ein Blick auf die vorhandenen Assets. Da wären zum Beispiel die immer noch werblich auf der Homepage aufgeführten Solaranlagen auf den Philippinen. Dabei verkündete ThomasLloyd schon 2015 den Verkauf der San Carlos Solar Energy Inc. Vermutlich wirbt ThomasLloyd noch damit, weil im Jahresabschluss 2017 Forderungen über 245.000 Euro ausgewiesen sind. Aber ist das nicht eine Täuschung, wenn gigantische Freiflächen-Solarkraftwerke mit insgesamt 80 MWp als aktuelle Investments geführt werden und fast kein Anlegerkapital mehr dort investiert ist? Eine Anfrage dazu beantwortete ThomasLloyd nicht.
Zweites Investment ist die vor einem Jahr verkündete Beteiligung an SolarArise India Projects. Wie hoch diese aktuell ist, ist nicht bekannt. In verschiedenen Reports der indischen Regierung über ausländische Investments sind für das erste Halbjahr 2019 rund 13 Millionen US-Dollar durch die ThomasLloyd CTI-Holding ausgewiesen. Das rechtfertigt, warum riesige Solarkraftwerke in Indien mit 300 MWp als „Auswahl aus unserem aktuellen Portfolio im Bereich Infrastruktur-Projekte“ aufgeführt werden. Bleiben also vor allem die drei Biomasseanlagen auf den Philippinen als wichtigste Investments.

Wundersame Geldvermehrung. Was die auf der philippinischen Insel Negros befindlichen Biomassekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 70 MW wert sind, ist derzeit schwer zu sagen. Das hängt auch stark davon ab, ob die zwei davon in Bau befindlichen Anlagen rechtzeitig bis Ende 2019 fertiggestellt werden, weil dann das für die Ertragskraft wichtige Einspeisegesetz ausläuft. Fakt ist, dass die drei Biomassekraftwerke einer in Singapur ansässigen ThomasLloyd CTI Asia Holdings Pte. Ltd. gehören. Investmentcheck hat den Jahresabschluss 2017 eingesehen. Dort finden sich Assets im Wert von 177 Millionen US-Dollar, was nach Abzug der Verbindlichkeiten und der Verlustvorträge einem Nettowert von 32 Millionen US-Dollar entspricht.
Was diese Bilanzzahlen bei Betrachtung eines Ertragswertes wert sein könnten, zeigen zwei verschiedene Einschätzungen. Zum einen die beim ThomasLloyd SICAV Sustainable Infrastructure Income Fund aus Luxemburg. Dieser gehörte bis Ende 2017 die Gesellschaft in Singapur. Am 31. Dezember 2017 haben die Chefs entschieden, die Anteile für 69,9 Millionen US-Dollar (58,2 Millionen Euro) an die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Fund GmbH (heute Holding statt Fund) zu verkaufen. Am gleichen Tag hat diese wiederum die Anteile für 129,5 Millionen Euro an die eigene Tochtergesellschaft ThomasLloyd CTI Asia Holding verkauft. Als Gewinn entstanden bei der ThomasLloyd CTI-Holding 67 Millionen Euro „aus dem Abgang von Gegenständen des Finanzanlagevermögens“, wodurch der im Vorjahr noch vorhandene „nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag“ über 14 Millionen Euro komplett beseitigt werden konnte.

Kleine Anfrage. In einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung hat Frank Schäffler und die FDP-Fraktion verschiedene Fragen zu „Investments in den grauen Kapitalmarkt“ gestellt. Eine Reihe von Fragen betraf speziell ThomasLloyd, weshalb die Antwort von besonderer Bedeutung hierfür ist (Bundesdrucksache 19/12693). Darin spricht die Bundesregierung in Bezug auf ThomasLloyd von „etlichen Umfirmierungen innerhalb der Gesellschaften der Gruppe“ und einer nicht vorhandenen „klar umrissenen Gruppenstruktur“. Zu der Frage, ob Vermögen an eine Gesellschaft in Singapur abfließen antwortete die Bundesregierung, „dass die ThomasLloyd Cleantech Infrastructure Holding GmbH über eine in Singapur ansässige Gesellschaft Direktinvestitionen in nicht näher bestimmte Vermögensgegenstände tätigte. Der Wert dieser Investitionen wird auf 24,42 Mio. Euro beziffert.“ Auf eine Anfrage von investmentcheck hat ThomasLloyd nicht geantwortet.
Bezüglich der Frage zu Nachträgen für die alten Verkaufsprospekte spricht die Bundesregierung leider nur allgemein von einer Voraussetzung, wonach diese „anlassbezogen bei Vorliegen der entsprechenden Tatbestandsvoraussetzungen“ notwendig sind. Sollten solche eingetreten sein, würde eine zivilrechtliche Haftung wegen fehlerhaftem Verkaufsprospekt vorliegen.

Loipfinger’s Meinung. ThomasLloyd schiebt Geld innerhalb des Konzern umher wie es gerade passt. Ein Konzernabschluss würde helfen die von der Bundesregierung vermisste „klar umrissene Gruppenstruktur“ besser zu verstehen. Mit teilweise völlig veralteten Informationen auf Kundenfang zu gehen mag zwar gesetzlich aufgrund einer Lücke legal sein, aber aus Anlegerschutzsicht ist es indiskutabel. Am schlimmsten wiegen aber die Fragen nach den vorhandenen Infrastrukturinvestments. Nicht die großen Bruttobeträge, die jeweils für den Bau der riesigen Solar- und Biomassekraftwerke ausgegeben werden, sind relevant. Wichtig wäre den Nettoinventarwert zu kennen und diesen den Einzahlungen der Anleger gegenüber zu stellen. So einer trivialen Frage sollte auch die mal wieder schlafende Finanzaufsicht nachgehen. Aber vielleicht gibt ja die Antwort der Bundesregierung Hoffnung, was denn die BaFin bei ThomasLloyd zur Wahrung des kollektiven Verbraucherschutzauftrages tue: „Im Übrigen prüft die BaFin anlassbezogen, ob aufsichtsrechtliche Maßnahmen geboten sind.“

ThomasLloyd-Forum. Mit 50.000 Anlegern ist die Zahl der an ThomasLloyd interessierten Investoren sehr groß. Entsprechend groß dürfte auch der Informationsbedarf besorgter Anleger sein. Deshalb gibt es nun auch ein geschlossenes Forum unter investmentcheck.community. Dort können sich Investoren kostenlos eintragen und untereinander austauschen.

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