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Weitere Insolvenzanträge bei P&R

Zittern um 400 Millionen Euro mit BaFin-Prospekt

27.04.2018 • Von den drei bisherigen Insolvenzanträgen bei P&R waren 51.000 Anleger mit einem investierten Kapital von 3,1 Milliarden Euro betroffen. Die Investoren der P&R-Angebote 5001 bis 5005 mit BaFin-gestattetem Verkaufsprospekt bekamen Ende Februar noch Mieten überwiesen, während die Altanleger schon leer ausgingen. Doch damit ist es nun vorbei. Auch für die P&R Transport-Container GmbH wurde ein Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Dr. Michael Jaffé bestellt. Der fünfte Insolvenzantrag betrifft die P&R AG, die als Geschäftsbesorgerin für die Anleger fungierte. Hier ernannte das Insolvenzgericht Dr. Philip Heinke aus der Kanzlei Jaffé zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

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Anlegerzahlen. Bisher hat der Insolvenzverwalter die Zahl von 51.000 betroffenen Anlegern genannt. Deren investiertes Kapital dürfte bei 3,1 Milliarden Euro liegen. Jetzt kommen weitere 400 Millionen Euro Anlegerkapital hinzu, die nun ebenfalls mit erheblichen Einbußen zu rechnen haben. Gehalten wird dieses Kapital von 14.900 Anlegern, die allerdings zu 95 Prozent bereits Investoren bei früheren Modellen waren. In Summe ergibt sich aus dem P&R-Fall also ein aktuell verwaltetes Anlagekapital von 3,5 Milliarden Euro, das von rund 52.000 Investoren eingezahlt wurde (etwas abweichend davon spricht die Kanzlei Jaffè in ihrer Pressemitteilung von zuletzt rund 54.000 betreuten Anlegern). Diese Dimension hat noch nie ein Anlageskandal vorher in Deutschland erreicht.

Eigenutmszertifikate wurden nur auf Anforderung ausgestellt
Bild: Auschnitt eines P&R-Eigentumszertifikats

Steigbügelhalter. Anders als bei den bisherigen Insolvenzen trägt die BaFin für die jetzt nun betroffenen Anleger eine Mitverantwortung. Sie hat die Verkaufsprospekte geprüft und zum Vertrieb freigegeben. Ebenfalls zu wenig hinterfragt wurde das P&R-Geschäftsmodell von den Ratingagenturen Dextro und TKL. Sie haben für die Angebote nach Vermögensanlagengesetz positive Beurteilungen veröffentlicht, die Anleger zu Unrecht in Sicherheit gewogen haben. Auch der Wirtschaftsprüfer Werner Wagner-Gruber wird sich Fragen gefallen lassen müssen, ob er seine Sorgfaltspflichten ausreichend erfüllt hat.

Veruntreuung? Wie dramatisch die noch zu erwartenden Erkenntnisse ausfallen werden, zeigt ein Blick in die Zwischenbilanzen der P&R Transport-Container GmbH. Da gesetzlich jeder Verkaufsprospekt zum Emittenten eine maximal zwei Monate alte Zwischenbilanz enthalten muss, liegt als aktuellste Version die zum 30. November 2017 vor. Darin werden Forderungen in Höhe von 321,5 Millionen Euro ausgewiesen, die sich weitgehend gegen die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH richten. Das dürfte nicht sein, weil das Geld zum Kauf der Container in die Schweiz zur P&R Equipment & Finance Corp. hätte fließen müssen. Der schuldete die P&R Transport-Container GmbH zu diesem Zeitpunkt statt dessen 317 Millionen Euro! Ganz offen steht dazu im Verkaufsprospekt, dass deshalb „noch keine Standardcontainer übereignet wurden“.

Loipfinger’s Meinung. Mittlerweile liegen so viele Fakten auf dem Tisch, dass ein Staatsanwalt meines Erachtens längst aktiv sein müsste. Die von der BaFin zum Vertrieb freigegebenen Verkaufsprospekte enthielten klare Hinweise darauf, dass bereits 2017 massive Lücken bei den im März 2018 insolvent gewordenen P&R-Gesellschaften bestanden. Der Hinweis, dass wegen der noch nicht erfolgten Zahlung der Containerkaufpreise an die P&R Equipment & Finance Corp. noch keine Boxen „übereignet wurden“, stimmt massiv nachdenklich. Wie kann das sein, wenn Martin Ebben als Geschäftsführer der P&R Transport-Container GmbH Eigentumszertifikate an Anleger unterschrieben hat (mehrere liegen mir bereits vor)?

Aufruf. Seit einiger Zeit sammelt investmentcheck Eigentumszertifikate von Anlegern, um sie mit den Informationen aus öffentlichen Datenbanken abzugleichen. Die Frage, ob es alle Container wirklich gibt und ob diese das richtige Alter aufweisen, steht himmelschreiend im Raum. Anleger mit solchen Zertifikaten werden deshalb gebeten, Kopien zu übersenden. Investmentcheck wird selbstverständlich die Namen und Informationen im Rahmen des journalistischen Informantenschutzes absolut vertraulich behandeln.

Weitere Informationen. Wer mehr zu den Hintergründen erfahren möchte, sollte die Berichte von Investmentcheck von Juli 2016, Juni 2017, 8. März, 19. März, 26. März und 18. April 2018 nachlesen. Auch im kürzlich erschienenen Buch „Achtung, Anlegerfallen!“ ist ab Seite 221 einiges zu P&R zu lesen.

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