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Gebrauchtcontainer als neu verkauft

Bei P&R mehren sich strafrechtlich relevante Vorwürfe

06.05.2018 • Aufwändige Kleinarbeit bei der Bestandsaufnahme als höfliche Umschreibung für Chaos haben die vorläufigen Insolvenzverwalter von P&R bereits bestätigt. Allerdings stellt sich zunehmend die Frage, ob nicht mehr als reine Schlamperei vorliegt. Denn offenbar wurden Anlegern sogar gebrauchte Container als Neuware angedreht.

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Abgrenzung. Das Geschäft der drei P&R-Unternehmen, die im März Insolvenzanträge stellten, unterscheidet sich durch den Zustand der Container und den Rückkaufsbedingungen. Während die P&R Container Leasing GmbH ihren Investoren die Rückkaufspreise garantierte, haben die beiden anderen Anbieter den Wert der Container nur in Aussicht gestellt. Wenn es sich bei diesen Angeboten um gebrauchte Boxen handelte, wurde das Geschäft über die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH abgewickelt. Die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH bot hingegen nur neue Stahlboxen an.

In Deutschland ist keine P&R-Gesellschaft mehr zahlungsfähig
Quelle: Verkaufsprospekt Angebot 5005, Schaubild Seite 74, eigene Markierung

Neuware. Aufgrund der Abgrenzung innerhalb des P&R-Konzerns sind gewisse Rückschlüsse auf den Anteil von Neutonnage und Gebrauchtboxen möglich. Konkrete Zahlen in einer Leistungsbilanz hat P&R leider nie veröffentlicht. Deshalb ist ein Hinweis im Jahresabschluss 2015 der P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH das Konkreteste, um gewisse Rückschlüsse zu ziehen: „Die Umsatzerlöse erhöhten sich von T€ 381.584 im Vorjahr auf T€ 610.677 im Geschäftsjahr. Dies entspricht einer Steigerung um 60,0%. Die Ursache hierfür war die stärkere Nachfrage nach den von der Gesellschaft vertriebenen Neucontainern in Abgrenzung zu den Geschäftsmodellen der anderen operativ tätigen P&R-Gesellschaften.“ Die Anleger beziehungsweise deren Berater haben also begriffen, dass damals neue Container in China zu historisch günstigen Preisen bestellt werden konnten. Die Umsatzerlöse der beiden anderen Gesellschaften sanken 2015 um rund 20 Prozent.

Zwischenschritte. Um nun das von P&R in 2015 an Investoren verkaufte Gesamtvolumen in Höhe von 831 Millionen Euro auf den Anteil an Neuware und Gebrauchtware aufzuteilen, reichen die einzelnen Umsatzangaben nicht. Denn alle drei Unternehmen haben einen Konzernumsatz von 1,26 Milliarden Euro verbucht. Darin enthalten sind neben den Verkäufen an Anleger auch die Rückkäufe von Altanlegern. Also ist bei der üblichen Laufzeit von fünf Jahren ein Blick in die Umsätze 2010 notwendig. Damals wurden vor allem Gebrauchtcontainer verkauft, weshalb die Umsätze der P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs GmbH mit 81,4 Millionen Euro extrem gering ausfielen. Ergo: In den 610,7 Millionen Euro Umsatz 2015 können nur geringe Rückkäufe enthalten sein, weshalb das Gros auf Neuverkäufe an Investoren entfallen sein muss.

Containereinkauf. Richtig spannend wird es nun, wenn die Finanzzahlen der P&R Equipment & Finance Corp. im schweizerischen Zug einbezogen werden. Denn dort war entgegen der in Deutschland stark gestiegenen Nachfrage nach neuen Stahlbehältern ein deutlicher Rückgang beim Containereinkauf zu beobachten. Statt 212,5 Millionen Euro in 2014 wurden ein Jahr später nur noch 146 Millionen Euro ausgegeben. Selbst wenn man dabei unterstellt, dass alle eingekauften Container wirklich neu waren und P&R beim Weiterverkauf an Anleger deutliche Aufschläge vornahm, bleibt eine eklatante Lücke von mehreren hundert Millionen Euro. Ergo: Nicht alle Anleger, die 2015 einen neuen Container bezahlten, haben auch einen neuen Container erhalten! Und die Höhe der Differenz spricht für weit über 100.000 Standardboxen, die allein in diesem Jahr fehlen.

2016. Leider haben die bis Ende 2016 aktiven P&R-Unternehmen ihre 16er Jahresabschlüsse bis heute nicht veröffentlicht. Deshalb ist eine Aufteilung der 740 Millionen Euro Platzierungsumsatz auf Neu- und Gebrauchtware nur grob möglich. Nach den Angebotsnummern boten mit 298 bis 302 immerhin fünf neue Boxen an, während die Offerten 1114 bis 1120 gebrauchte Ware enthielten. Gleichmäßige Beträge unterstellt (5/12), wären über 300 Millionen Euro neue Standardbehälter verkauft worden, während die P&R Equipment & Finance Corp. nur Container im Wert von 64,5 Millionen Euro einkaufte. Wirtschaftlich war das kompletter Unsinn, da in diesem Jahr der Containermarkt historisch fast einmalige Einkaufsgelegenheiten bot.

Loipfinger’s Meinung. Es wird höchste Zeit, dass der Staatsanwalt Ermittlungen zum Verdacht der Untreue oder sogar Betrug aufnimmt. Zumindest ein gewisser Vorsatz ist schon erkennbar, wenn Eigentumszertifikate nur auf Anforderung ausgestellt wurden und diese dann noch eine unvollständige Containernummer enthalten. Auch der für mich schon länger naheliegende Vorwurf des Schneeballsystems bekommt zusätzliche Nahrung, wenn nicht so viele neue Container da waren wie tatsächlich an Investoren verkauft wurden. Und die Frage der Eigentümerstellung muss immer klarer mit einem Nein beantwortet werden. Damit sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Absonderung der Container von der Insolvenzmasse.

Bisherige P&R-Berichterstattung (chronologisch):
- Bestätigungsvermerke nur mit Einschränkungen (22. Juli 2016)
- Fragwürdige Mietunterdeckungen bei P&R (26. Juni 2017)
- Buch „Achtung, Anlegerfallen!“ ab Seite 221 (erschienen 27. Februar 2018)
- Wie groß ist das Feuer unterm Dach? (8. März 2018)
- Insolvenzanträge bei P&R (19. März 2018)
- P&R –Schwindeleien gehen weiter (26. März 2018)
- Erste traurige Wahrheiten (18. April 2018)
- Weitere Insolvenzanträge bei P&R (27. April 2018)
- Haftet die BaFin im Fall P&R? (3. Mai 2018)
- P&R – Eigentum und Eigentumszertifikate (4. Mai 2018)
- Weit über 50.000 falsche Steuererklärungen? (5. Mai 2018)

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