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BaFin war mal wieder untätig

15 Millionen Euro für Kebap-Läden verbrannt

27.09.2018 • Zwei Absolventen der renommierten Otto Beisheim School of Management gründen ein Unternehmen in den USA, um dort den in Deutschland beliebten Döner salonfähig zu machen. Nach ein paar Jahren gibt es bereits 40 Läden davon und es sollten noch ganz viele dazukommen. Das für die Expansion nötige Geld lieferten deutsche Anleger. Abgesehen davon, dass das Unternehmen nun pleite ist, stellen sich wieder einmal die Fragen nach einem Systemproblem. Warum gibt es mehr Abzockermodelle als vielversprechende Anlagemöglichkeiten? Und warum tut niemand etwas dagegen?

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VertsKebap. Im Mai 2015 wurde in Deutschland die VertsKebap Finance GmbH aus der Taufe gehoben. Damit sollten die Expansionspläne einer in den USA von Michael Heyne und Dominik Stein gegründeten Döner-Kette finanziert werden: „Das Einwerben und die Aufnahme von Darlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt von Dritten und die Gewährung von Darlehen ausschließlich an Mutter-, Tochter- oder Schwesterunternehmen.“ Im November 2015 begann der Vertrieb mit einem von der BaFin gestatteten Verkaufsprospekt. Schon zwei Monate später hatten 300 Investoren 11,6 Millionen Euro überwiesen. Per Ende 2016 summierten sich die Nachrangdarlehen dann auf 14,8 Millionen Euro. Und im September 2017 kam dann der nächste Verkaufsprospekt auf den Markt, um mit BaFin-Gestattung munter weiter zu sammeln.

BaFin-Liegenschaft in Frankfurt am Main mit den Referaten zu Marktüberwachung und Prospektbilligung von Vermögensanlagen
Quelle: Kai Hartmann Photography, BaFin (eigener Bildausschnitt)

Probleme. Die BaFin-Gestattung erfolgte zu einer Zeit, als es offenbar schon Überlegungen für Döner-Kette in den USA gab, Chapter 11 anzumelden. In NGIN-Food, einem digitalen Branchenmagazin der Lebensmittelindustrie, wird einer der beiden Chefs dahingehend zitiert, dass sie schon im Sommer 2017 über diesen Schritt nachdachten, aber dagegen waren. Es wäre spannend nachzulesen, was dazu in dem Verkaufsprospekt stand, aber leider wurden diese Unterlagen damals auf Anfrage nicht zur Verfügung gestellt. Und das, obwohl das Vermögensanlagengesetz klar vorschreibt, einen Anlageinteressierten entsprechend zu informieren. Das Gesetz schreibt sogar vor, dass die Verkaufsunterlagen auf der Homepage des Anbieters veröffentlicht werden müssen. Kontrolliert wird die Einhaltung der gesetzlichen Vorschrift von der Aufsichtsbehörde offenbar nicht.

Anruf. Wie obskur das Anlagemodell war, hat investmentcheck im Grunde mit einem Anruf bereits im Januar 2016 festgestellt. Da laut Bundesanzeiger ein vollständiger Verkaufsprospekt bei Herrn Michael Peter Heyne sen. in Beilstein bereitgehalten werden sollte und auf Mailanfragen nicht reagiert wurde, hat investmentcheck einfach telefonisch nachgehakt. Am Telefon war die Mutter eines der beiden Gründer. Sie erklärte kurzerhand, dass der Sohn in den USA lebe und nicht in Deutschland gemeldet sei. Der in der Bekanntmachung angegebene Name ist der vom Papa des Gründers, der nichts mit dem Angebot zu tun hat. Damit war das Gespräch dann beendet und die Qualität des Anlagemodells im Grunde klar.

11a-Mitteilung. Im Januar 2018 wurde von VertsKebap eine Veröffentlichung nach Paragraph 11a Vermögensanlagengesetz vorgenommen, die immer dann zu erfolgen hat, wenn es Probleme mit der Rückzahlung des Anlegerkapitals geben könnte: „Der noon Mediterranean Inc. (vormals firmierend unter Verts Mediterranean Grill Inc.), die Schwestergesellschaft der VertsKebap Finance GmbH, ist es im Zeitraum zwischen dem 12.09.2017 und 5.12.2017 weder gelungen ausreichende Umsätze zu erwirtschaften noch neues Eigen-/Fremdkapital in ausreichender Höhe aufzunehmen, um sowohl ihre Aufwendungen aus dem operativen Geschäftsbetrieb zu decken als auch gleichzeitig ihre Zinszahlungen und Rückzahlungen auf die von der VertsKebap Finance GmbH gewährten Nachrangdarlehen zu leisten. Infolgedessen hat die noon Mediterranean Inc. ihre Zinszahlungen und Rückzahlungen gegenüber der VertsKebap Finance GmbH Anfang Dezember 2017 bis auf weiteres ausgesetzt. Daraufhin hat die VertsKebap Finance GmbH ihrerseits Anfang Dezember 2017 ihre Zinszahlungen und Rückzahlungen gegenüber den Darlehensgebern der Nachrangdarlehen Typ A sowie den Darlehensgebern der Nachrangdarlehen Typ B ebenfalls bis auf weiteres ausgesetzt und das öffentliche Angebot für die Nachrangdarlehen Typ A und die Nachrangdarlehen Typ B vorzeitig am 5.12.2017 beendet.“

Fortgang. Im März 2018 kam es dann zu einer Namens- und Sitzänderung der VertsKebap Finance GmbH. Zum einen wurde der Name auf Noon Finance GmbH geändert und zum anderen der Sitz vom beschaulichen Beilstein in die US-Metropole New York verlegt. Damit dürfte es für die Anleger deutlich schwieriger werden, etwaige Ansprüche aus dem Ausfall der Nachrangdarlehen geltend zu machen, nachdem die BaFin nun auch die Insolvenz der Noon Finance GmbH vermeldet hat.

Loipfinger’s Meinung. Die Adresse vom Papa zum Einsammeln von Millionen zu benützen, ist höchst zweifelhaft. Warum nutzt die BaFin in solchen Fällen eigentlich nicht die Möglichkeit gemäß Paragraph 19 Vermögensanlagengesetz ein paar zusätzliche Auskünfte vom Anbieter einzuholen? Außerdem kontrollieren die Aufsichtsbeamten offenbar auch nicht die Einhaltung von Transparenzvorschriften wie die Veröffentlichungspflicht der Verkaufsunterlagen oder der Jahresabschlüsse. Es ist ihr auch egal, wenn der Sitz eines Emittenten noch schnell vor einem Insolvenzantrag in die USA verlegt wird. Für die Anleger wird es dadurch deutlich schwieriger, eventuelle Regressansprüche anzumelden. Ob das der Grund für die Sitzverlegung war? Und natürlich stellt sich wieder mal die Frage, welche Finanzberater so einen Unsinn überhaupt verkauft haben.

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