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Eskalierter Streit

Bergfürst zankt sich mit einem Serienemittenten

03.06.2020 • Eigentlich sind der Emittent einer Scharmfinanzierung und die kapitalvermittelnde Plattform Freunde. Der Emittent braucht die Plattform als Zugang zu den Anlegern und die Plattform braucht Emittenten mit einer glaubwürdigen Story. Wenn sich also ein Serienemittent mit einer Schwarmfinanzierungs-Plattform streitet, dann ist das ungewöhnlich. Bei der Bonafide-Gruppe von Stefan Schepers und Bergfürst von Dr. Guido Sandler wird der Streit mittlerweile vor verschiedenen Gerichten ausgetragen. Auch Anleger haben die zum Teil dickköpfig wirkenden Vorgehensweisen bereits zu spüren bekommen.

Jahreswechsel. Stefan Schepers ist Geschäftsführer bei verschiedenen Emittentengesellschaften und hat lange Zeit seine Fundings über Bergfürst abgewickelt. Auf Nachfrage erklärte er, dass es schon seit einiger Zeit zu Unregelmäßigkeiten bei den Engagements mit Bergfürst kommen würde: „Das Fass zum Überlaufen brachte eine nicht genehmigte Abbuchung von einem unserer Konten am 30.12.2019 durch Bergfürst. Wir mussten diese, unter Androhung von strafrechtlichen Maßnahmen, zurückfordern. Bergfürst hat den Betrag dann zurück überwiesen und sich entschuldigt.“ Damit konfrontiert sieht Bergfürst diese Behauptung als „strafrechtlich relevante, kreditgefährdende Verleumdung.“ Es hätte nie eine Abbuchung oder eine unautorisierte Zahlung gegeben. Bergfürst verweist auf ein laufendes landgerichtliches Verfahren auf Unterlassung derartiger geschäftsschädigender Äußerungen. Schepers legte als Beleg die Rücküberweisung einer Strukturierungsgebühr von 134.000 Euro vor. Dazu eine Mail, in der sich ein Bergfürst-Mitarbeiter für die „Umbuchung“ entschuldigt.

Stefan Schepers zählt zu den aktivsten Nutzern von Immobilien-Crowdfundings
Quelle: eigene Recherchen von Investmentcheck.de

Rheinstraße Duisburg. Im März 2018 sammelte Bergfürst für die Ultima Ratio Homberg GmbH & Co. KG insgesamt 800.000 Euro, um damit die Errichtung von 20 Wohneinheiten in Duisburg mitzufinanzieren. Komplementärin der Emittentin war die Fructuosus GmbH. Die Rückzahlung war spätestens für den 30. April 2020 vorgesehen. Schepers wollte sogar zum 15. April zurückzahlen, was aber an Streitigkeiten über den Rückzahlungsprozess scheiterte. Bergfürst bestand auf eine Rückzahlung über ein Notaranderkonto, was laut Schepers unzumutbare 15 Euro Kosten pro Anleger verursacht hätte. Da Schepers die Kontaktdaten der Anleger nicht hatte, überwies er jedem Investor 1 Cent mit dem Verwendungstext, mit ihm Kontakt aufzunehmen. 86 Prozent der Anleger sollen das getan haben. Dabei hatte Bergfürst in einem Schreiben unmittelbar nach den Überweisungen dringend angeraten, eine Kontaktaufnahme nur in anwaltlicher Begleitung vorzunehmen. Notwendig war das zumindest im Nachhinein nicht. Mitte Mai haben die Anleger ihr komplettes Kapital inklusive Zinsen und Verzugszinsen erhalten. Es scheint also vor allem um Formalitäten gegangen zu sein. Schließlich hatte Schepers eine Anschlussfinanzierung durch ein Funding mit Exporo bereits im März erfolgreich durchgeführt, weshalb das Kapital für die Rückzahlung schon vor der Fälligkeit des Bergfürst-Fundings zur Verfügung stand.

Exporo hat 2020 ein Bergfürst-Funding aus 2018 abgelöst
Quelle: Collage aus den jeweiligen Investmentbroschüren

Vorwürfe. Die Fronten scheinen massiv verhärtet. Vor allem Bergfürst hat in der Mail an Investmentcheck harte Anschuldigungen ausgesprochen: „Leider hat Herr Schepers unter grober Verletzung der Verträge die Vertraulichkeit nicht gewahrt und vertrauliche Geschäftsgeheimnisse veröffentlicht, öffentlich falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt und unter weiterer Verletzung der Verträge und unter Verletzung der EU-Datenschutzgrundverordnung die Kontodaten der Anleger zweckentfremdet, um widerrechtlich mit den Anlegern kommunizieren zu können. Diese Verstöße haben wir selbstverständlich unverzüglich juristisch verfolgen lassen. Es laufen derzeit diverse gerichtliche Verfahren in der Angelegenheit.“ An anderer Stelle wird von einer Hetzkampagne gegen Bergfürst gesprochen. Für Schepers ist das alles eine Reaktion auf seine Entscheidung, keine neuen Engagements mit Bergfürst mehr durchzuführen. Die bestehenden will er, so das jeweils möglich ist, nach und nach zurückführen. Er spricht von einer Bestrafung durch Bergfürst, weil er die Konkurrenz vorzieht und rät anderen Emittenten sogar davon ab, mit dem von Guido Sandler geführten Unternehmen zusammen zu arbeiten.

Klagen. Längst läuft neben dem verbalen Stadium der Auseinandersetzung ein regelrechter Krieg vor Gericht. Schepers spricht von völlig sinnlosen Gerichtsklagen, mit denen ihn Bergfürst derzeit überzieht. Damit konfrontiert stellt Bergfürst harte Vorwürfe in den Raum: „Wir können bestätigen, dass derzeit 10 Zivilklagen aufgrund unbezahlter Rechnungen gegen Projektgesellschaften aus dem Unternehmensumfeld um Herrn Schepers anhängig sind. Die Klagen sind notwendig, weil die Rechnungen trotz Mahnung nicht bezahlt wurden. Daneben müssen weitere Klagen wegen der falschen Tatsachenbehauptungen und weiterer Vertragsbrüche insbesondere wegen Datenmissbrauch geführt werden.“ Worum es aus Anlegersicht aber nicht zu gehen scheint, sind Leistungsstörungen gegenüber den verschiedenen Investoren. Schepers betont, dass er bisher alle Darlehen ordnungsgemäß bediente und dies auch weiter tun wird: „Alle unsere Vorhaben, mit Ausnahme des Projektes Fontane Center und den Eigentumswohnungsprojekten in Berlin, sind bereits an institutionelle Investoren veräußert und laufen daher planmäßig.“ Bergfürst widerspricht dem zumindest nicht, verweist aber auf eine angebliche Vertraulichkeit: „Sollten Rückstände entstehen, werden die betroffenen Anleger informiert und durch den Sicherheiten-Treuhänder werden alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen.“

Coronakrise. Abschließend hat Investmentcheck bei Bergfürst danach gefragt, ob auch andere Fundings nicht plangemäß laufen würden und ob Probleme durch die aktuelle Coronakrise erkennbar wären. Eine Antwort gab es weder auf den einen Teil noch auf den anderen Teil der Frage: „Diese Frage unterliegt für die konkreten Anlagen der Vertraulichkeit. Zur Auswirkung der Corona-Krise verweise ich auf die Quartalsberichte unserer Emittenten auf den jeweiligen Projektseiten, die wir für die Anleger veröffentlichen.“

Loipfinger’s Meinung. Für einen Außenstehenden ist es schwer bei einem so komplexen Streit Partei zu ergreifen. Die beiden Antworten von den Streitparteien lassen in der Tendenz die Wahrheit allerdings eher bei Schepers vermuten. Schepers antwortete konkret und lieferte Belege. Bergfürst versteckte sich zum Teil hinter einer angeblichen Vertraulichkeit. Auf das Bank- und Geschäftsgeheimnis wird einleitend verwiesen, wobei das aufgrund der gestellten Fragen schwer nachvollziehbar ist. Wichtigstes Faktum aus Anlegersicht ist allerdings, dass deren Verträge bisher ordnungsgemäß bedient wurden. Laut Schepers soll das auch so bleiben. Im Zweifel wird sich der neue Fundingpartner Exporo ebenfalls genau überlegt haben, ob er Bergfürst als Plattformpartner ablöst. Hinsichtlich der Transparenz ist Schepers übrigens schon länger positiv aufgefallen. Seit Jahren ist er überdurchschnittlich offen bei Anfragen. Seine Jahresabschlüsse 2018 hat er innerhalb der gesetzlichen Fristen veröffentlicht, was leider eine seltene Ausnahme in der Branche ist.

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Forum. Da das Leserinteresse an Schwarmfinanzierungen sehr groß ist, gibt es seit einigen Monaten ein geschlossenes Forum unter investmentcheck.community. Dort können sich Anleger kostenlos eintragen und untereinander Ihre Erfahrungen austauschen.

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