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Pleite mit Ingwer-Produktion

Genossenschaft PuroVerde stellt Insolvenzantrag

10.06.2020 • 730 Genossinnen und Genossen investierten in nachhaltige tropische Land- und Forstwirtschaft in Costa Rica. Fünf Millionen Euro betrug das Geschäftsguthaben der Mitglieder per Ende 2018. Mit Bio-Ingwer sollte anfänglich Geld verdient werden, bevor dann tropische Früchte, Gemüse und Edelhölzer folgen. Doch dazu kam es nicht. Das Amtsgericht Freiburg beschloss unter dem Aktenzeichen 58 IN 237/20 Sicherungsmaßnahmen über das Vermögen der PuroVerde eG und bestellte Rechtsanwalt Harald Manias zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Werbung. Ein Slogan der in Freiburg ansässigen Genossenschaft war „Produkte mit Rendite und Wirkung“. Zwei bis drei Prozent Verzinsung ab dem 5. Wirtschaftsjahr stellten die Vorstände ab einer Mindesteinlage von 2.000 Euro in Aussicht. Sicherheit für die Mitglieder wurde angeblich groß geschrieben. Als Vorteile stellten die Initiatoren Leo und Stefan Pröstler Erfahrung, etablierte Vertriebswege durch GingerVerde und eine wissenschaftliche Begleitung durch die Stiftung FuturoVerde dar. BaumInvest fungierte zumindest anfänglich als Verpächter und Impulsgeber. Die Querdenker GmbH stand als Marktentwickler und Initiator für neue Produktideen zur Verfügung.

Schon nach wenigen Jahren ist die PuroVerde eG insolvent
Quelle: Werbebroschüre für die Genossenschaftsanteile

Insolvenzantrag. Den Antrag auf Insolvenz stellte der Vorstand der PuroVerde eG, der Ende Mai noch wechselte. Heiko Rock und Leo Hans Pröstler schieden aus und wurden durch Antje Virkus und Florian Blaicher ersetzt. Laut Registerbekanntmachung wurde außerdem Ose Nielsen-Bornemann bestellt und schied sofort wieder aus. Zu den Hintergründen erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter, dass die Ingwerernten ausgefallen seien und deshalb nichts verkauft werden konnte. Genaues kann er derzeit aber noch nicht sagen, da er sich derzeit erst ein umfassendes Bild von der Situation verschaffen muss. Bezüglich einer möglichen Unternehmensfortführung räumte er allerdings ein, dass dies in Coronazeiten extrem schwierig geworden ist.

Stellungnahme. Die kurz vor der Insolvenz als Vorstand eingesetzte Antje Virkus antwortete auf Investmentcheck-Anfrage, dass die Genossen vor dem Antrag auf die drohende Zahlungsunfähigkeit hingewiesen wurden. Zusammen mit ihrem Kollegen Florian Blaicher informierte sie die Mitglieder auf einer Veranstaltung, zeigte Handlungsoptionen auf und fragte ein Stimmungsbild ab: „Eine Umfrage im Rahmen der Veranstaltung ergab, dass knapp 80% der Mitglieder kein weiteres Kapital mehr investieren möchten.“ Der Insolvenzantrag war laut Einschätzung der Vorstände unausweichlich: „Sehr viel Herzblut und Arbeit steckte in diesem Projekt. Trotz viel Pioniergeist und Innovation konnten die gesteckten Ziele - unter anderem wegen mehrerer aufeinanderfolgender Ernteausfälle - leider nicht erreicht werden. Das Projekt PuroVerde kam so leider nicht über die Pionierphase hinaus.“

BaumInvest. Die insolvente Genossenschaft pflegte enge Kontakte zur BaumInvest-Gruppe, deren Geschäft in der Aufforstung von Tropenhölzern in Costa Rica besteht. Über gut zehn Jahren wurden Kommanditisten für drei GmbH & Co. KGs akquiriert. In 2018 erfolgte eine Verschmelzung auf die neu gegründete BaumInvest AG. Dabei bekamen die Investoren der BaumInvest GmbH & Co. KG für ihre 7,8 Millionen Euro KG-Kapital insgesamt 8,1 Millionen Aktien zugeteilt. Die Anleger der BaumInvest 2 erhielten für ihre 8,25 Millionen Euro insgesamt 6,3 Millionen Aktien und diejenigen der BaumInvest 3 bekamen für 12 Millionen Euro Kommanditkapital acht Millionen Aktien. Per Ende 2018 zeigte die Bilanz der AG Anteile und Ausleihungen an verbundene Unternehmen in Höhe von 34 Millionen Euro. Das von den Vorständen Leo Pröstler und Heiko Rock ausgewiesene Jahresergebnis lag bei minus 240.000 Euro. Ende 2019 erfolgte eine Kapitalerhöhung, bei der bis zu 4,5 Millionen neue Aktien begeben wurden.

Verbindung. Auf Anfrage betonte Antje Virkus, dass die BaumInvest AG und die insolvente PuroVerde eG zwei unabhängige Unternehmen seien. Die anfängliche Anmietung von Anbauflächen ist zwischenzeitlich beendet: „Seit 2016 findet der Ingwer-Anbau auf den zuerst gepachteten und Mitte 2019 gekauften Flächen von Rio Cuarto statt.“ Es gab aber noch wichtigere Berührungspunkte, wie Virkus einräumte: „Beide Unternehmen hatten bisher kein eigenes Personal. Die Geschäftsbesorgung wurde in Deutschland und Costa Rica über die Dienstleistungsunternehmen von Stefan Pröstler, die Querdenker GmbH (D) und die PuroVerde Paraiso Forestal SA (CR), abgewickelt.“ Indirekte Auswirkungen durch die Insolvenz sollen sich für die Anleger der BaumInvest AG nicht ergeben. Nur Doppelinvestoren sollen betroffen sein: „Es gibt allerdings Anleger, die in beiden Unternehmen investiert haben – diese Anleger erhalten wie alle Anleger der PVeG nach Abschluss des Gutachtens des vorläufigen Insolvenzverwalters weitere Informationen. Ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, entscheidet sich in den nächsten 3 Monaten.“

Loipfinger’s Meinung. Genossenschaften werben gerne mit dem Argument, dass bei dieser Rechtsform Insolvenzen sehr selten sind. Doch das könnte sich zunehmend ändern, da das Vehikel immer häufiger von unseriösen Marktplayern missbraucht wird. Ingeborg Esser als Hauptgeschäftsführerin des GdW, dem Spitzenverband für fast alle Wohnungsgenossenschaften warnt deshalb vor einer bedenklichen Entwicklung, wonach „Vehikel des grauen Kapitalmarkts den guten Leumund der genossenschaftlichen Rechtsform“ zunehmend ausnutzen. Auch bei PuroVerde sind massive Fragen angebracht, da Investoren mit einer falschen Sicherheit geworben wurden. Spannend wäre auch zu wissen, was der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband in den letzten Jahren als Prüfinstitut in ihren Abschlusstestaten schrieb.

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