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Bearbeitungsstau in der Buchhaltung

Fehlende Jahresabschlüsse bei Jäderberg & Cie.

07.07.2020 • Über 33 Millionen Euro von 1.400 Anlegern hat Jäderberg & Cie. bisher akquiriert. Der in Hamburg ansässige Initiator investiert das Geld in australische Sandelholzplantagen. Die Bäume sind sehr speziell und vor allem wegen des daraus produzierten Sandelholz-Öls beliebt und wertvoll. Namensgeber und Unternehmenslenker Peter Jäderberg betreibt das Geschäft nunmehr seit gut zehn Jahren. Eine Leistungsbilanz gibt es nicht, was er als „naturbedingt“ bezeichnet. Schließlich brauchen die Bäume bis zur Ernte plangemäß 16 Jahre. Andererseits gibt es Themen, die Anlass zu Sorgen geben. Anleger sollten dringend mehr und vor allem zeitnahe Transparenz einfordern.

Vorgeschichte. Vor gut einem Jahr fiel Investmentcheck auf, dass Jäderberg bei einer Reihe von Jahresabschlüssen von operativen Gesellschaften die Zahlen für das neue Geschäftsjahr nur aus dem Vorjahr übertrug. Er bezeichnete diese als vorläufige Werte, was angesichts der identischen Beträge nur bedingt nachvollziehbar war. Von einem „Bearbeitungsstau“ war die Rede, der „aktuell abgearbeitet“ würde. Ein von Investmentcheck hinterfragter, nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag bei der Jäderberg & Cie. GmbH sei nur durch Anlaufverluste entstanden und Anleger müssten sich keine Sorgen machen. Investmentcheck legte den Fall auf Wiedervorlage, um die Aufarbeitung des Bearbeitungsstaus später zu überprüfen.

Peter Jäderberg im Gespräch mit Investmentcheck
Bild: Stefan Loipfinger

Operative Unternehmen. Geändert hat sich in diesem Jahr wenig. Bei folgenden vier Unternehmen liegen bis heute nur die Bilanzzahlen für 2016 vor:
- Jäderberg & Cie. Holding GmbH
- Jäderberg & Cie. Beteiligungsverwaltungs-GmbH
- Jäderberg & Cie. Investment Verwaltungs-GmbH
- Jäderberg & Cie. GmbH
Peter Jäderberg führt dies auf eine Reihe von Gründen zurück, die allerdings nicht über das Versäumnis hinwegtäuschen können: „Grob gesagt ist es eine dynamische Ansammlung von Gründen, die man mit Begriffen - wie Komplexität und Störmomente - zusammenfassen kann.“ Zufriedenstellend ist das nicht, da die betroffenen Unternehmen für den Anlageerfolg sehr wesentlich sind und per Ende 2016 teilweise ein negatives Eigenkapital aufweisen. Dazu nachgefragt kamen - wie schon vor einem Jahr - keine Fakten, sondern nur Vertröstungen: „Hier bitten wir um Geduld bis zur Veröffentlichung der Abschlüsse. Es ist davon auszugehen, dass sich die Ergebnisse positiv entwickelt haben. Bitte beachten Sie, dass keine Verbindlichkeiten gegenüber Banken o.ä. bestehen, sondern dass es sich um eine reine Innenfinanzierung innerhalb unserer Gruppe handelt.“

Anlegervehikel. Der Gesetzgeber hat vor einigen Jahren die Transparenzvorschriften für Vermögensanlagen deutlich erhöht und statt der allgemein gültigen Frist von zwölf Monaten nach Geschäftsjahresende gemäß Handelsgesetzbuch einen verkürzten Zeitraum von sechs Monaten festgelegt. Ältere Jäderberg-Angebote können sich deshalb auf die großzügigere Frist berufen – zumindest rechtlich, was freiwillig im Anlegerinteresse auch anders gesehen werden könnte. Unentschuldbar ist allerdings, wenn im Juni 2020 der letzte Jahresabschluss für den JC Sandalwood 1 vom 30. Juni 2017 stammt. Drei Jahre alte Zahlen helfen keinem Anleger weiter. Beim JC Sandalwood 2 greifen beispielsweise bereits die verkürzten Bekanntmachungsfristen und es wird im Bundesanzeiger trotzdem weder über das Geschäftsjahr per 30. Juni 2018 noch per 30. Juni 2019 berichtet. Dazu befragt teilte Peter Jäderberg mit Verweis auf die laufenden Prüfungen der Wirtschaftsprüfer mit: „Die Jahre 2016/17 bis 2018/19 werden aktuell geprüft. Nach Abschluss der Prüfungen werden die testierten Jahresabschlüsse dann zeitnah veröffentlicht. Die älteren Jahresabschlüsse wurden im Zuge der Jahresabschlussprüfungen der Jahre bis einschließlich zum 30.06.2016 korrigiert. Wir gehen unverändert davon aus, dass der ursprünglich prognostizierte Gesamtmittelrückfluss für die Anleger realisiert wird.“

Inhaltsdefizite. Nicht nur zeitlich sind die Berichtspflichten von Jäderberg verletzt worden. Inhaltlich fehlen in einigen Berichten wichtige Informationen wie beispielsweise der Lagebericht oder das Testat eines Wirtschaftsprüfers. Das ist beispielsweise beim JC Indian Sandalwood 5 doppelt problematisch, weil dort per 30. Juni 2018 mit 1,6 Millionen Euro ein negatives Eigenkapital ausgewiesen wird. Die Erklärung von Jäderberg verweist auf einen prospektgemäß erwarteten Verlauf: „Bei dem nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil handelt es sich um die bisher aufgelaufenen Verluste, die konzeptions- und prognosegemäß anfallen. Diese werden in dem noch zu veröffentlichenden testierten Jahresabschluss dann auf der Passivseite abgesetzt werden. Dieser wird sodann auch den Lagebericht enthalten.“

BaFin. Wie so oft bei diesen Fällen mit unzureichender Transparenz kommt die Frage auf, wie eigentlich die Finanzaufsicht BaFin damit umgeht. Bei Vermögensanlagen redet sie sich gerne damit heraus, dass sie nur die Namen der Emittenten an den Bundesanzeiger meldet und keine Möglichkeiten hätte, überhaupt einzugreifen. Den Paragraph 24 Absatz 5 Vermögensanlagengesetz vergisst sie dabei zu erwähnen. Dieser sieht explizit die Möglichkeit vor, eine Prüfung der Rechnungslegung anzuordnen, soweit konkrete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften vorliegen. Noch viel schlimmer ist die Untätigkeit allerdings in Bezug auf die Spezial-AIFs. Hier ist mit der „Jäderberg & Cie. Investment Management GmbH Verwaltung von Spezial-AIF“ eine von der BaFin beaufsichtigte und dort registrierte Kapitalverwaltungsgesellschaft involviert. Deren letzter Jahresabschluss stammt vom 31. Dezember 2017 und zeigt ein negatives Eigenkapital. Die beiden als Spezial-AIF aufgelegten Fonds JC Eagle Park 1 und JC Eagle Park 4 veröffentlichten zuletzt per 30. Juni 2017 beziehungsweise 30. Juni 2018.

Quintis. Zentraler Dienstleister in Australien und damit wesentlich für den Erfolg der Investments ist die Quintis (Australia). Bei diesem einst börsennotierten Unternehmen kam es 2016/2017 zu einem massiven Einbruch der Börsenkurse, weshalb ein Delisting stattfand. Die anschließenden Gespräche über eine Rekapitalisierung scheiterten, was zu einer Art Insolvenzverfahren führte. Ende 2018 konnte dieses mit einer Fortführung abgeschlossen werden. Inwiefern sich die mit den Anlegern geschlossenen Verträge dadurch nachteilig veränderten, sollte Jäderberg auf Nachfrage erklären. Unkonkret aber in Andeutungen eindeutig nachteilig für die Anleger fiel seine Antwort aus: „In diesem Zusammenhang ist die zuvor bestehende Möglichkeit, die Bewirtschaftungskosten alternativ erst zum Zeitpunkt der Ernte in Form eines Anteils an den Verwertungserlösen zu zahlen, entfallen. Ferner wurden die in den ursprünglichen Verträgen im Voraus vereinbarten Festvergütungen für die laufende Plantagenbewirtschaftung durch kostenbasierte Vergütungen ersetzt (d.h. es werden die tatsächlich anfallenden Kosten gezahlt). Die hierfür budgetierten Kosten übersteigen die ursprünglichen Pauschalvergütungen, was insgesamt zu einer höheren Kostenbelastung und damit zu einem etwas geringeren prognostizierten Mittelrückfluss je investierten Dollar (bzw. Plantagenverwertungserlösen je Unit) führt.“

Hintergrundinfo. Im Mai 2020 veröffentlichte das Amtsgericht Hamburg einen Beschluss für eine AJ TEPs GmbH, dass dort das Insolvenzverfahren nach Vollzug der Schlussverteilung aufgehoben wurde. Aufgefallen ist das deshalb, weil einer der beiden Geschäftsführer Tord Peter Jäderberg heißt. Er hatte vor den Sandelholzinvestments für Drittanbieter Fonds mit gebrauchten Lebensversicherungen konzipiert. Ein eigenes Investmentprojekt in der Ukraine ist schiefgelaufen und hatte weitreichende Konsequenen, wie ein Hinweis aus dem Verkaufsprospekt zum JC Indian Sandalwood 5 zeigt: „Peter Jäderberg war Geschäftsführer der folgenden Gesellschaften, über deren Vermögen im Jahr 2011 ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde: AJ TEPs GmbH, Arens Jäderberg GmbH, ajr green energy GmbH, Arens Consulting GmbH & Co. KG, Arens Consulting Verwaltung GmbH, East European Enterprises GmbH. Peter Jäderberg war Geschäftsführer der folgenden Gesellschaften, über deren Vermögen im Jahr 2011 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mangels Masse abgewiesen wurde: Arens Jäderberg Holding GmbH, AJ Private Placement Verwaltungs-GmbH.“ Darüber aufgeklärt werden muss allerdings nicht mehr.

Loipfinger’s Meinung. Ein Jahr nach den Versprechen zum Abbau des Buchhaltungsstaus fehlen immer noch Jahresabschlüsse. Peter Jäderberg ist seinen Transparenzpflichten nicht ausreichend nachgekommen. Eine Leistungsbilanz über seine Erfolge sehe ich nicht. Sandelholzinvestoren können aufgrund fehlender aktueller Zahlen nicht einschätzen, wie es um ihre Investments steht. Sie sollten massiv Druck aufbauen, damit sich das verbessert. Zur Rolle der BaFin als Aufsichtsbehörde fügt sich ein weiterer Fall von Aufsichtsversagen in die ohnehin schon sehr lange Liste hinzu.

Aufruf. Falls Sie als Anleger Erfahrungen mit Jäderberg & Cie. gesammelt haben, wären wir über eine kurze Rückmeldung sehr dankbar. Sind Sie zufrieden mit Ihrer Anlage und Ihrer Betreuung? Fühlen Sie sich transparent informiert? Selbstverständlich sichern wir Ihnen absoluten Quellenschutz zu. Am einfachsten funktioniert die Kontaktaufnahme über jaederberg@investmentcheck.de.

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