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Undurchsichtige Verkaufsabsichten

Leonidas-Anleger sollen über Verkauf mit Verlust abstimmen

15.09.2020 • Die Mehrheit der Leonidas-Fonds läuft weit hinter Plan. [IC-Bericht: Dramatische Ausschüttungslücken] Jetzt sollen Anleger der Fonds XIII und XIV sogar über einen Verkauf verschiedener Windparks abstimmen - und eventuell erhebliche Verluste von bis zu 40 Prozent realisieren. Die Leonidas-Chefin Antje Grieseler will das wegen einem fehlenden Aussprachebedarf im schriftlichen Verfahren durchziehen - und muss sich so kritischen Anlegerfragen gar nicht erst stellen. Denn warum die Parks mit Verlust verkauft werden sollen, das wird auch auf Nachfrage von Investmentcheck nicht erklärt. Ein Wertgutachten gibt es nicht. Gesetzliche Transparenzpflichten für Jahresabschlüsse werden häufig missachtet. Sogar über eine persönliche Verstrickung lässt Grieseler die Anleger im Dunkeln.

Gesellschafterversammlung. Eigentlich anlegerfreundlich hat Leonidas in den Gesellschaftsverträgen der Fonds XIII und XIV die Möglichkeit einer schriftlichen Abstimmung geregelt: „Soweit kein dringender Aussprachebedarf besteht, kann die Komplementärin an Stelle der Einberufung einer Gesellschafterversammlung eine schriftliche Beschlussfassung der Gesellschafter veranlassen.“ Nur leider ist die Auslegung dieser in Paragraph 14 festgehaltenen Regelung sehr eigenwillig. Obwohl über einen Verkauf mit Verlust zu entscheiden ist, besteht aus Sicht von Antje Grieseler „kein dringender Aussprachebedarf“ und sie lässt mit unzureichenden Informationen im schriftlichen Umlaufverfahren abstimmen. Auf Anfrage kam dann zusätzlich das Corona-Argument: „Nach dem Gesellschaftsvertrag kann die Geschäftsführung eine schriftliche Beschlussfassung wählen. Wir haben uns vor dem Hintergrund der erheblichen Gesundheitsrisiken, die derzeit aufgrund der COVID-19-Pandemie bestehen, und aufgrund der damit zusammenhängenden strengen Auflagen dazu entschieden, keine Präsenzveranstaltung durchzuführen. Aus diesem Grund hat die Geschäftsführung in einem Begleitschreiben zur schriftlichen Beschlussfassung sämtliche Informationen offengelegt, die für die Entscheidung der Treugeber und Gesellschafter notwendig sind, um eine informierte Entscheidung zu treffen.“

Verkaufsprospekte Leonidas Wind XIII und Leonidas Wind XIV
Quelle: Titelseite der Leonidas Verkaufsprospekte

Leonidas XIII. Der Verkaufsprospekt zu diesem Angebot stammt vom April 2013. In wenigen Monaten investierten rund 870 Anleger insgesamt 17,7 Millionen Euro, die eigentlich Ende 2016 schon wieder zurück fließen sollten. Denn dann war der Verkauf der Windkraftanlagen in Frankreich vorgesehen und für die Investoren waren Überweisungen von insgesamt 124 Prozent geplant. Tatsächlich kam es völlig anders und bisher sind erst 13,6 Prozent Auszahlung geflossen. Wenn der aktuell zur Abstimmung stehende Verkauf beschlossen würde, kämen noch 60 Prozent hinzu. So steht es zumindest in dem Anschreiben an die Anleger, das anlässlich der Verkaufsabstimmung verschickt wurde. Bei längerer Laufzeit als ursprünglich geplant ergäben sich damit statt 24 Prozent Gewinn schwache 26 Prozent Verlust. Auf Anfrage, warum das Ergebnis bei einem Windparkverkauf so desolat ausfalle, antwortete Antje Grieseler allerdings: „Die Treugeber und Gesellschafter sind über den Kaufpreis unterrichtet. Sie haben auch Erläuterungen zur weiteren Entwicklung ihrer Beteiligungsgesellschaft erhalten. Die prognostizierte Rückflussquote mit 105 % zum Ende der Laufzeit stellt sich positiv dar. Es kann also nicht von einem desaströsen Ergebnis gesprochen werden.“ Nur zum Vergleich die in dem Anschreiben aufgestellte Berechnung zum Ergebnis bei Verkauf:
Gezeichnetes Kapital: 10.000 Euro (Anmerkung Investmentcheck: ohne Einrechnung von fünf Prozent Agio)
Ausschüttungen bisher: 1.360 Euro
Rückzahlung aus Verkauf: 6.000 Euro
Kapitalrückfluss gesamt: 7.360 Euro
Verlust pro Anteil: 2.640 Euro

Leonidas XIV. Mit diesem Kurzläuferfonds sammelte Leonidas ab Mitte 2013 gut 11,6 Millionen Euro bei knapp 500 Anlegern. Bis Ende 2017 sollten 124 Prozent Ausschüttung erwirtschaftet werden. Bisher geflossen sind erst 2,5 Prozent. Aus dem Verkauf würde sich eine Auszahlung von 58 Prozent ergeben, weshalb in Summe selbst ohne Einrechnung des Agios noch 40 Prozent bis zur Rückzahlung der Einlage fehlen. Auch hier antwortete Grieseler als Geschäftsführerin der Fondsgesellschaft, dass sie die Frage nach dem Grund für das desolate Ergebnis bei einem Verkauf nicht nachvollziehen könne: „Die prognostizierte Rückflussquote mit 160 % zum Ende der Laufzeit stellt sich positiv dar. Es kann also nicht von einem desaströsen Ergebnis gesprochen werden.“

Leonidas-Anleger des Fonds XIV verlieren rund 40 Prozent bei einem Verkauf der Windparks in Frankreich
Quelle: Auszug aus dem Anschreiben an die Anleger von Leonidas Associates XIV vom 2. September 2020

Verkaufsbeschlüsse. Bis zum 28. September (Fonds XIII) beziehungsweise 30. September 2020 (Fonds XIV) können die Anleger über den Verkauf abstimmen. Wer der Käufer der vier Windparks sein soll, wird wegen einer Verschwiegenheitsvereinbarung nicht mitgeteilt. Zu möglichen Interessenskonflikten gefragt, teilte Leonidas mit: „Der potenzielle Käufer ist nicht wirtschaftlich oder persönlich mit der Leonidas Associates AG oder der Geschäftsführung des Leonidas Associates XIV verflochten. Es handelt sich um eine international tätige Asset-Managementgesellschaft, die hier im Auftrag eines Pensionsfonds tätig ist.“ Zur Preisfindung teilte Grieseler auf Nachfrage nichts Konkretes mit. Die Fragen, ob es ein unabhängiges Wertgutachten gäbe und warum es kein Bieterverfahren gab, beantwortete Grieseler mit einer fragwürdigen Erklärung: „Der Kaufinteressent hat sein Kaufinteresse bei den Gesellschaften hinterlegt. Das Kaufangebot des Interessenten wurde nun zur Weisung an die Treugeber und an die Gesellschafter weitergeleitet. Die Treugeber und Gesellschafter haben hierzu die notwendigen Informationen erhalten. Das Kaufangebot erfolgte vom Interessenten und entstammt nicht einem aktiven Verkaufsangebot durch die Geschäftsführung.“

Verflechtung. Die schwammige Antwort zu möglichen Verflechtungen mit dem Kaufinteressenten wurde bereits oben zitiert. Sie erscheint vor einer völlig unbeantworteten Frage in einem besonderen Licht. Antje Grieseler schrieb in einem scheinbar unbedeutenden Hinweis zum Leonidas XIII: „Der Eigentümer, der mit 10 % an dem Windpark Saulces beteiligt ist, hat bereits Zustimmung zum Verkauf signalisiert.“ Wer dieser Eigentümer ist, wollte Investmentcheck wissen. Und konkret war gefragt: „Gibt es eine persönliche und/oder wirtschaftliche Verflechtung zwischen Ihnen und diesem Eigentümer?“ Da Grieseler nicht darauf antwortete, recherchierte Investmentcheck über das französische Handelsregister. Und siehe da: Bei den Gründungsunterlagen tauchte eine Leonidas Family & Friends GmbH & Co. KG als 10-prozentiger Gesellschafter auf. Antje Grieseler unterschrieb also links als „représenté“ für die Leonidas Wind France IV GmbH & Co. KG und rechts für die Leonidas Family & Friends GmbH & Co. KG. Kurz danach wurde aus der GmbH & Co. KG durch eine formwechselnde Umwandlung die Leonidas Family & Friends GmbH. Mit der Geschäftsführerin Antje Grieseler und der Gesellschafterin Antje Grieseler.

Treuhänder. Eine entscheidende Rolle bei solchen Abstimmungen spielt der Treuhänder, über den die Anleger meist indirekt beteiligt sind. Investmentcheck wollte deshalb wissen, wie der Treuhänder mit den Stimmen umgeht, die er ohne konkrete Weisung der Treugeber ausübt. Seriöse Treuhänder enthalten sich bei diesen passiven Anlegern der Stimme. Da Antje Grieseler auch Geschäftsführerin der Leonidas Treuhand GmbH ist und sich als Geschäftsführerin der Leonidas Family & Friends GmbH offenbar schon für einen Verkauf ausgesprochen hat, ist deren Antwort höchst bedenklich: „Der Treuhänder verhält sich vor Abgabe der Weisungen gegenüber den Treugebern neutral und berichtet nicht über sein Abstimmungsverhalten. Die Entscheidung soll bei den Treugebern liegen, die den Treuhänder anweisen können. Das soll auch nicht durch vorab veröffentlichtes Abstimmungsverhalten des Treuhänders beeinflusst werden.“

Gewährleistung. Beim Leo XIII ist eines der Investments der Windpark Haut Plateau du Picard. Dort wurden Turbinen des Herstellers Nordex verbaut. Dazu berichtete Grieseler im Anlegeranschreiben: „Wie berichtet, hat Nordex die Betreibergesellschaft letztes Jahr über mögliche Probleme mit den Rotorblättern der Turbinen informiert. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist ein Ausbau der Rotorblätter von zwei Turbinen notwendig, alle anderen müssen in den nächsten Jahren laufend überprüft werden.“ Zum Szenario des Weiterbetriebes bis 2032 schreibt sie dann nicht gerade aufmunternd: „Allerdings ist davon auszugehen, dass die Lebensdauer der Rotorblätter deutlich kürzer sein wird als ursprünglich angenommen, was eventuell große Auswirkungen auf einen möglichen Kaufpreis im Jahr 2032 hat.“ Deshalb wollte Investmentcheck wissen, ob es hier keine Gewährleistungsansprüche gibt, die den Schaden für die Anleger abdecken. Mit einem anderen Tenor als im Anschreiben zur Verkaufsabstimmung antwortete Grieseler: „Die Gesellschafter und Treugeber wurden bereits vor der Gesellschafterversammlung ausführlich über die Situation mit den Rotorblättern informiert. Dabei wurde nie berichtet, dass Gewährleistungsansprüche nicht mehr greifen. Mit dem Hersteller Nordex erfolgt eine enge Abstimmung bezüglich Lösungsmöglichkeiten.“

Marktumfeld. Die Wertentwicklung von Sachwerten wie Immobilien, aber auch Windparks kennt aufgrund der historisch niedrigen Zinsen seit Jahren nur einen Weg: den nach oben. Leonidas hat 2017 laut Vermittlerkreise die Auflage neuer Fonds sogar eingestellt, da der Ankauf von neuen Windparkprojekten zu teuer geworden sei. Wie kommt es also, dass die Windparks der Beteiligungen Leonidas XIII und XIV statt mit einem satten Gewinn mit erheblichen Verlusten verkauft werden sollen? Eine Antwort lieferte Antje Grieseler nicht.

Loipfinger’s Meinung. Die von Leonidas gegebenen Informationen reichen nicht ansatzweise, um eine qualifizierte Verkaufsentscheidung herbeizuführen. Seriös wäre es, als erstes ein unabhängiges Wertgutachten mit einer Preisindikation zu liefern. Darauf aufbauend kann ein Verkaufsbeschluss mit Mindesterlös gefasst werden. Wenn dieser dann die Mehrheit für einen Verkauf findet, wird in einem Bieterverfahren an den Meistbietenden verkauft. Da Grieseler von diesem Vorgehen komplett abweicht und mit den völlig unzureichenden Informationen die erhöhten Anforderungen an ein wegen Corona alternatives schriftliches Abstimmungsverfahren nicht erfüllt, sollten die Anleger erst einmal gegen den Verkauf votieren. Bei Investmentcheck haben sich schon mehrere Anleger gemeldet, die das ebenso sehen und zur Formierung einer Interessensgemeinschaft aufrufen. Derzeit ist eine namhafte Anwaltskanzlei daran, die Formalitäten hierfür zu schaffen. Die Kanzlei ist Investmentcheck bekannt. Investmentcheck hat angeboten, die Anfragen zu sammeln und diese dann nach deren Gründung weiter zu geben. Dafür entstehen keine Kosten und journalistischer Quellenschutz ist zugesichert. Als Mailadresse kann die leonidas@investmentcheck.de benutzt werden. Außerdem gibt es ab sofort ein neu eingerichtetes Leonidas-Forum unter investmentcheck.community. Dort können sich Betroffene untereinander austauschen und einzelne Fragen diskutieren. Das kostenlose Forum ist nicht öffentlich einsehbar und nur nach Registrierung zu nutzen.

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