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HEH verkauft 11 Flugzeuge im Paket

04.01.2021 • Zwischen 2008 und 2010 hat die HEH Hamburger EmissionsHaus insgesamt elf Flugzeugfonds mit jeweils einer Dash 8-Q400 von Bombardier aufgelegt. Der Leasingnehmer der Flugzeuge war die in England angesiedelte Flybe, bei der im Frühjahr dieses Jahres ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Nachdem sich kein neuer Mieter dafür fand, verkaufte HEH die Flugzeuge nun. Mit durchschnittlich 112 Prozent der Einlage bekommen die Anleger ihr Geld weitgehend unverzinst zurück. Geplant waren Ausschüttungen von im Schnitt 246 Prozent über die Laufzeit, die zwischen 2025 und 2027 enden sollte.

Historie. Anfang 2008 emittierte die HEH Hamburger EmissionsHaus GmbH & Cie. KG den ersten Flugzeugfonds flybe.London, dem eine ganze Serie folgte. Die Anleger finanzierten jeweils eine Dash 8-Q400 von Bombardier mit 78 Sitzplätzen und einer Spitzengeschwindigkeit von 667 Kilometer pro Stunde. Langfristiger Nutzer für mindestens zehn Jahre war die englische Flybe, die damals die größte europäische Regionalfluglinie war. Der Kaufpreis war bei der London mit 18,6 Millionen US-Dollar als günstig bezeichnet worden, da der Listenpreis für diesen Flieger bei 25 Millionen US-Dollar lag. Die Finanzierung erfolgte etwa zur Hälfte mit Anlegerkapital und zur anderen Hälfte mit Bankkrediten. Wer in den flybe.London 10.000 Euro zuzüglich fünf Prozent Agio einzahlte, sollte bis Ende 2025 Ausschüttungen in Höhe von 24.055 Euro erhalten.

HEH-Anleger von elf Flybe-Fonds erhalten im Schnitt ihr Geld ohne die versprochene Verzinsung zurück.
Tabelle: eigene Recherchen und Angaben von HEH

Insolvenz. Am 12. März 2020 teilte das Fondsmanagement den Anlegern mit, dass das geplante Sanierungsprogramm bei ihrem Leasingnehmer Flybe gescheitert sei und deshalb in der Nacht zum 5. März Insolvenz angemeldet wurde: „Die Geschäftsführung Ihres Fonds hat umgehend begonnen, den Notfallplan mit dem Expertennetzwerk aus rechtlichen, technischen Beratern und unseren Remarketingpartnern umzusetzen, damit schnell mit der Neuvermarktung des Fondsflugzeuges begonnen werden kann.“ Im Juni bekamen die Anleger dann die Information, dass zusätzliche Liquidität notwendig sei, um die Flugzeuge auf einem geeigneten Flughafen zu positionieren und dort erforderliche Wartungsarbeiten durchführen zu lassen. Im November stimmten die Anleger schlussendlich über einen Verkauf der Flugzeuge ab, den sie mehrheitlich bei allen Fonds beschlossen.

Rettungsmaßnahmen. Wie hoch der Schaden einer Insolvenz des Leasingnehmers für den Sachwert „Flugzeug“ ist, dürfte den Anlegern bei Zeichnung nicht wirklich bewusst gewesen sein. Das beginnt mit der Inbesitznahme, die wegen Sicherungsrechten erst nach Begleichung nicht bezahlter Gebühren möglich ist. Gunnar Dittmann, Vorstand der HEH Hamburger Emissionshaus AG hat auf Nachfrage eine lange Liste an Ausgaben aufgezählt: „Höhere Aufwendungen als prospektiert sind den Fondsgesellschaften durch die Insolvenz Flybes und die Rückholung der Flugzeuge aus Großbritannien entstanden, z.B. für Kosten bis zum Überführungsflug, ausstehende Flughafengebühren und Eurocontrol, Wartung des Flugzeuges, Aufrechterhaltung der Flugtüchtigkeit, Treibstoffkosten, Inbesitznahme und Aufarbeitung der Flugzeugdokumente, Parkgebühren, Kosten für den Überführungsflug und die Piloten, Abfluggebühren, Einlagerungskosten bis zur Neuvermarktung, Park- und Servicegebühren, Versicherung, Technisches Management Fintech, Rechtsberatung, Remarketing, Kapitaldienst für Nachfinanzierung etc.“ Doch damit nicht genug. Voraussetzung für eine weitere Verwendung der Flugzeuge sind erhebliche Reparaturmaßnahmen, da der bei einer normalen Rückgabe vereinbarte „Halflife-Wartungszustand“ nicht vorliegt: „Durch die Insolvenz des Leasingnehmers erhielten wir hingegen die Flugzeuge mehrheitlich in einem deutlich schlechteren Zustand zurück; insbesondere einige Triebwerke stehen relativ kurz vor finanziell aufwändigen Überholungen (hierfür kann man pro Triebwerk Kosten von rd. USD 1,8 Mio. ansetzen).“

Prospekt. Flybe war die größte regionale Airline Europas und eine der sichersten Airlines der Welt. „Flybes Flugzeugflotte ist zukünftig eine der umweltschonendsten weltweit“, schrieb HEH im Emissionsprospekt 2008. Die Bonität von Flybe wurde mit „Low Risk“ eingestuft. Im Risikoteil stand unter „Einnahmen aus der Vermietung“ nur sehr allgemein: „Sollte Flybe die vereinbarte Leasingrate nicht leisten und sich auch kein adäquater Ersatz finden, würde dies zu niedrigeren Einnahmen des Emittenten führen.“

Ergebnisse. Gunnar Dittmann beurteilt den nun erreichten Verkauf der elf Bombardier-Flugzeuge insgesamt sehr positiv: „Trotz des gedrückten Preisniveaus konnten in den letzten neun Monaten im Gesamtmarkt der Q400 Turbopropflugzeuge keine Neuabschlüsse in den Bereichen Vermietung und Verkauf beobachtet werden. Unser Verkaufsabschluss erfolgte mit einem kanadischen Unternehmen, das die Flugzeuge in Feuerlöschflugzeuge umbauen wird. Da von Passagierairlines derzeit so gut wie keine Nachfrage nach Flugzeugen jeglicher Art besteht, halten wir den Verkauf, der den Anlegern Schlussauszahlungen zwischen 20 bis 40 Prozent auf ihr Investment sichert, für ein sehr gutes Ergebnis.“ Über den genauen Verkaufspreis sei Stillschweigen mit dem Käufer vereinbart worden. Angesichts der Zahlen aus den letzten Geschäftsberichten lässt sich aber ein Preis zurückrechnen, der bei gut der Hälfte der ursprünglich für 2025 bis 2027 geplanten Verkaufserlöse liegen dürfte.

Gebühren. Aufgrund eines Hinweises hat Investmentcheck bei HEH bezüglich der Gebühren nachgefragt. Schließlich leiden die Anleger stark unter der aktuellen Entwicklung, was die Frage aufwirft, ob sich HEH daran durch reduzierte Gebühren beteiligt. Doch dem ist nicht so, wie Dittmann mit einem „extrem erhöhten Arbeitsaufwand“ erklärt. HEH belaste „für dieses Jahr lediglich die regulär vereinbarten Vergütungen (Assetmanagement TEUR 18 p.a., Treuhandvergütung rd. TEUR 31 p.a., Gesellschaftsvergütungen rd. TEUR 22 p.a.)“. Vom „erfolgreichen Verkauf“ erhält HEH zusätzliche zwei Prozent der Erlöse, was Dittmann relativiert, in dem er es als „unterhalb von 1 % bezogen auf das Eigenkapital des Fonds“ bezeichnet.

Die Embraer-Flugzeuge nutzte die insolvente Flybe, die Bombardier-Maschinen Air Nostrum.
Quelle: eigene Recherchen

Weitere Flybe-Fonds. Neben den Bombardier-Flugzeugen hat HEH in 2012 und 2013 noch zwei Fonds mit Flybe als Leasingnehmer aufgelegt. Damit wurden Embraer-Maschinen vom Typ E175 STD finanziert. Die bisher geflossenen Ausschüttungen an die Anleger liegen mit gut 40 Prozent unter den bei Fondsauflage prognostizierten Werten und auch weit unter den Ergebnissen der schon länger laufenden Fonds mit den Bombardier-Flugzeugen. Trotz der noch vorhandenen Bankkredite ist Dittmann aber positiv gestimmt: „Bei den beiden Fonds HEH Southampton und HEH Dublin haben wir noch keinen Käufer oder neuen Leasingnehmer gefunden, jedoch werden aktuell Gespräche mit Interessenten geführt. Die Liquiditätssituation bei beiden Gesellschaften ist jedoch gut, da die HEH bereits frühzeitig damit begonnen hatte, Auszahlungen zur Liquiditätsstärkung zurückzuhalten und auch erfolgreich von Flybe für die Gesellschaften hinterlegte Sicherheitsleistungen abgerufen werden konnten. Dies hat dazu geführt, dass beide Gesellschaften bis heute den Kapitaldienst an die finanzierende Bank vollständig in der vereinbarten Höhe geleistet haben und die Restdarlehen nur noch rund EUR 2,15 Mio. (Southampton) bzw. EUR 2,8 Mio. (Dublin) betragen, bei einer Liquidität in Höhe von rund EUR 1,4 Mio. (Southampton) bzw. EUR 2,1 Mio. (Dublin).“

Air Nostrum. Ab 2011 akquirierte HEH Geld für an Air Nostrum verleaste Flugzeuge. Insgesamt acht Fonds mit Flugzeugen von Bombardier sind aktuell in der Verwaltung. Hierbei handelt es sich um etwas größere Maschinen vom Typ CRJ 1000 mit einer Kapazität von rund 100 Passagieren. Kurz nach Ausbruch der Corona-Krise trat die spanische Airline an die Fondsgesellschaften heran und bat um eine Aussetzung der Leasingraten. In Gesprächen wurde eine Reduzierung vereinbart, wie Dittmann auf Nachfrage erklärte: „Aktuell leistet Air Nostrum 50% der ursprünglich vereinbarten Leasingrate. Dies wird auch von der finanzierenden Bank mitgetragen. Über die Rückzahlung der bisher gestundeten Beträge wird momentan verhandelt, wobei es in den Gesprächen nicht um Nachlässe geht, sondern nur um den Zeitpunkt wann und in welcher Höhe/Zeitraum die gestundeten Beträge vollständig zurückgeführt werden.“

Die bisherigen Ergebnisse der sechs Alternativ Investmentfonds von HEH mit Flugzeugen werden sich 2020 vermutlich verschlechtern.
Quelle: Jahresabschlüsse 2019, eigene Berechnungen

Finnair. Mit der HEH Helsinki gibt es nur einen Fonds, der zwei ATR 72-500 enthält. Diese sind an die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche finnische Fluggesellschaft Finnair verleast. Dort läuft aktuell noch alles plangemäß, wie Dittmann auf Nachfrage erklärte: „Die Airline Finnair zahlt für unsere Flugzeuge nach wie vor die vereinbarten Leasingraten pünktlich.“

Loipfinger’s Meinung. Insgesamt 22 Flugzeugfonds hat HEH aufgelegt. Mit 13 waren leider mehr als die Hälfte an Flybe verleast. Die Maschinen von weiteren acht Angeboten nutzt Air Nostrum, die auch schon früh in der Corona-Krise ihre Ratenzahlungen reduzierte. Nur Finnair als bonitätsstärkster Leasingnehmer zahlt pünktlich. Das wirft die Frage auf, wann welche Flugzeuge von welchen Airlines überhaupt in Fonds für Privatanleger landen. Tendenziell ist dies sicher dann der Fall, wenn herkömmliche Finanzierungswege nicht oder nur eingeschränkt funktionieren. Eine gewisse Negativselektion ist leider immer wieder zu beobachten. Flybe hat beispielsweise kurz vor der Auflage der ersten HEH-Fonds im März 2007 die BA Connect übernommen. Die Jahre vorher war BA Connect für sein vorheriges Mutterunternehmen British Airways defizitär. Der Flugzeughersteller Bombardier kämpfte außerdem mit zwei Zwischenfällen am Fahrwerk. Diese führten dazu, dass Bombardier im September 2007 ein kurzfristiges Flugverbot für die Q400 empfahl. Nur Wochen später, am 19. November 2007 kaufte die Fondsgesellschaft die „London“, in dem sie in einen Kaufvertrag von Flybe mit Bombardier vom 11. April 2003 einstieg. Schon einen Tag später, am 20. November 2007 erfolgte die Auslieferung. 13 Jahre später tragen Anleger die Konsequenzen. Auch wenn der Verkaufsdeal in der aktuellen Situation ein Erfolg sein mag, die Auflage der Fonds war es nicht.

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