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Unruhe bei ThomasLloyd

Fragwürdige Umfrage unter Anlegern

15.01.2021 • Ausschüttungsverzögerungen, ein Verwaltungsverfahren mit der BaFin und ein nicht nachvollziehbares sowie rechtlich fragwürdiges Fonds-Splitting verunsichern gerade Anleger von ThomasLloyd sehr stark. Bei einer Reihe von Fonds werden die Investoren zu einer Entscheidung gedrängt, für die wichtige Informationen fehlen und die in jeder Variante nachteilig erscheint. Das damit zerstörte Vertrauen lässt Spekulationen über die Hintergründe für dieses Tun geradezu sprießen. Zeichnet sich hier ein Finanzskandal bei einem Anbieter ab, der insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro bei Anlegern sammelte?

Unpünktliche Ausschüttungen. Bereits im vergangenen Jahr haben sich besorgte Anleger bei investmentcheck gemeldet, weil bei ihren Fonds die monatlichen Ausschüttungen für Juni, Juli und August 2020 nicht wie gewohnt flossen. Laut ThomasLloyd lag das an einem Liquiditätsbedarf für den Erwerb eines Solarportfolios auf den Philippinen. Damals von Investmentcheck an ThomasLloyd gerichtete Fragen blieben unbeantwortet. Eine Berichterstattung gab erst einmal nicht, da Ende September / Anfang Oktober eine vollständige Nachzahlung erfolgte. Wie nun aber erneut Anleger berichteten, wurden offenbar zum Teil auch Ausschüttungen im IV. Quartal nicht pünktlich geleistet. Zu den Hintergründen befragt hat sich ThomasLloyd erneut nicht gegenüber Investmentcheck geäußert.

Anleger von ThomasLloyd sollen sich für eine Variante "Ertrag" oder "Wachstum" entscheiden
Quelle: Header von einer ThomasLloyd-Mail vom 15. Januar 2021 an Anleger von Cleantech-Fonds

Weihnachtspost. Mit Datum 23. Dezember 2020 hat ThomasLloyd ein fragwürdiges Schreiben an tausende Anleger verschickt. Investmentcheck liegen Versionen für die CTI, Zweite CTI und Fünfte CTI vor. Zwischen dem 15. und 24. Januar sollen die Zeichner über ihre zukünftigen Anlageziele entscheiden. Zur Wahl stehen die „Strategie ERTRAG“ als ausschüttende Variante und die „Strategie WACHSTUM“ mit Thesaurierung. Auch Kombinationen sind möglich. Angeblich wäre die bis Ende 2019 noch verkaufte „Hybridstellung“ nicht mehr zeitgemäß. Es gäbe „Interessenskonflikte zwischen laufenden Ausschüttungen einerseits und der kontinuierlichen Portfolioexpansion andererseits“. Für die Anleger soll das „Fonds-Splitting“ eine Möglichkeit darstellen, die persönlichen Anlageziele zu optimieren.

Terminsache. Mit Beginn der Abstimmungsfrist am 15. Januar hat ThomasLloyd eine mit „TERMINSACHE“ überschriebene Mail verschickt. Darin wird die bisher mit dem 1. Januar 2021 vorgesehene Rückwirkung der Anlegerentscheidungen um ein Quartal zurückverlegt: „Ihre Entscheidung ist generell zum 1. Oktober 2020 rückwirkend wirksam.“ Eine plausible Begründung für das weiter in die Vergangenheit verschobene Wirkungsdatum wird allerdings nicht mitgeliefert. Arm an Hintergründen ist auch die Information, dass „in Kürze per Post“ eine Einladung zu einer Gesellschafterversammlung verschickt wird. Vielleicht soll das beruhigen oder von einer leicht zu überlesenden Botschaft ablenken: „Anleger, die Ihre Entscheidung bis zum 24. Januar 2021 nicht mitgeteilt haben, verbleiben automatisch in der bisherigen Strategie (Strategie WACHSTUM).“

Fünfte CTI. Mit rund 450 Millionen Euro Beteiligungskapital inklusive Agio der größte Publikumsfonds ist die Fünfte Cleantech Infrastrukturgesellschaft mbH & Co. KG. Anfänglich wurde sie als CTI 15 und dann später mit der Bezeichnung CTI 9D vermarktet. Etwa 13.000 Anleger vertrauten darauf, dass ThomasLloyd ihr Geld in vielversprechende Infrastrukturprojekte im Bereich nachhaltiger Energien in Asien investiert. Im zuletzt verwendeten Verkaufsprospekt wurden Ausschüttungen von bis zu 11,04375 Prozent in Aussicht gestellt, die monatlich auszuzahlen sind. Damit der Fonds diese leisten kann, rechnete ThomasLloyd „mit einer mittel- bis langfristigen Durchschnittsrendite von 18,25% p.a. der stillen Einlagen an der Projektgesellschaft“. Ein Vergleich dieser Prospektangaben mit den nun zur Auswahl stehenden Strategien zeigt sehr klar, wie stark beide hinsichtlich der Ausschüttung oder der Renditeerwartung abweichen. Wer zukünftig weiter bis zu 11,04375 Prozent jährliche Entnahmen möchte (Strategie Ertrag), darf nun mit seiner Beteiligung angeblich eine Rendite von sechs bis 7,5 Prozent erwarten. Mit zehn bis zwölf Prozent können laut ThomasLloyd die Anleger auf deutlich mehr Rendite hoffen, wenn sie auf eine Ausschüttung verzichten und diese thesaurieren (Strategie Wachstum). Die bisherigen Fondsziele deshalb mit der neuen Variante Wachstum gleichzusetzen, dürfte für Anleger nicht nachvollziehbar sein.

Trotz veralteter Verkaufsprospekte platzierte ThomasLloyd in 2019 rund 200 Millionen Euro bei Anlegern
Quelle: ThomasLloyd Leistungsbilanz 2018 und Schätzungen für 2019

Ausrede? Am 31. Oktober 2020 hat ThomasLloyd an Anleger noch geschrieben, die wirtschaftliche Stabilität des Projektportfolios sei auch während der Corona-Pandemie gesichert. In einem aktuellen Übersichtsblatt zum Fonds-Splitting wird die Pandemie nun als großes Problem beschrieben. Sie hätte zu „grundlegenden Veränderungen des Marktumfelds“ geführt. Seit Mitte des vergangenen Jahres zeichneten sich mittelfristige Marktstörungen ab: „Daraus resultierte ein Handlungsbedarf dahingehend, dass die ursprüngliche Ausschüttungspolitik, die unseren Investoren über eine Dekade gleichzeitig regelmäßige Liquiditätszuflüsse in Form von Ausschüttungen/Entnahmerechten als auch Kapitalwachstum ermöglichte und unter normalen Marktbedingungen sehr gute Ergebnisse generierte, im aktuellem Marktumfeld nur noch eingeschränkt umgesetzt werden konnte. Die neue Situation verlangte damit danach, die bisherige parallele Verfolgung der beiden vorgenannten Ziele durch eine neue Ausschüttungspolitik zu ersetzen, welche es ermöglicht, eines der beiden Ziele zu priorisieren. Die Fondsgeschäftsführung entschied sich vor diesem Hintergrund dafür, die Ausschüttungspolitik der CTI-Fonds an dieses geänderte Marktumfeld anzupassen und die Investoren bei diesem Entscheidungsprozess so weitgehend wie möglich einzubeziehen.“

Offene Fragen. Schon vor einer Woche hat Investmentcheck leider ohne Antwort eine Reihe von Fragen an Michael Sieg, Matthias Klein und Klaus-Peter Kirschbaum von ThomasLloyd verschickt. Schließlich kling die Überschrift „Fonds-Splitting“ sehr weitreichend und sollte entsprechend gut erklärt werden. Da wäre zum Beispiel die Frage, wie mit den sehr unterschiedlichen individuellen Kapitalkonten der Anleger umgegangen wird, da die Fonds über viele Jahre platziert wurden. Bei der Fünften CTI sind beispielsweise seit Jahren Verluste angefallen, die dem Kapitalkonto II belastet wurden. Spannend wären auch die Antworten zu einem anderen Themenkomplex gewesen. Ende 2020 hat die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen (Drucksache 19/24528) geantwortet. Die Grünen hinterfragten dabei die Rolle der Finanzaufsicht BaFin bei verschiedenen „Finanzskandalen nach der Finanzkrise 2008“. Unter Punkt 5 geht es um ThomasLloyd. Aufgezählt werden verschiedene Prüfungs-Vorgänge, die keine aufsichtsrechtlichen Maßnahmen nach sich gezogen haben. Einzelheiten zu den Verfahren werden in der Antwort unter Berufung auf das Aufsichtsgeheimnis nicht genannt, sondern wurden in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt. Zitat aus der Drucksache: „Die besondere Geheimhaltungsbedürftigkeit ergibt sich aus der Gefahr der Beeinflussung eines laufenden Verwaltungsverfahrens. Außerdem werden Details der Aufsichtstätigkeit genannt, die u. a. die Zusammenarbeit mit anderen zuständigen Behörden betreffen und damit dem Aufsichtsgeheimnis unterliegen.“

Rechtsrat. Da Anleger nun bis zum 24. Januar eine Entscheidung treffen müssen und eine Nicht-Entscheidung auch als Zustimmung für die Strategie Wachstum gewertet wird, ist rechtlicher Rat schon fast zwingend. Die Rechtsanwältin Dr. Susanne Schmidt-Morsbach von der Kanzlei Schirp & Partner aus Berlin kennt den Fall ThomasLloyd schon länger und empfiehlt dringend, dem Fonds-Splitting zu widersprechen: „Wer jetzt nichts tut läuft Gefahr, sich massiv zu verschlechtern. Das Vorgehen von ThomasLloyd ist rechtlich äußerst fragwürdig, da eine solche einschneidende Veränderung nur über eine Abstimmung im Rahmen einer Gesellschafterversammlung mit den entsprechenden Mehrheiten zulässig ist.“ Sie hat deshalb schon heute ein Schreiben an ThomasLloyd verschickt, in dem sie eine Erklärung einfordert, die angekündigten Maßnahmen nicht umzusetzen. Außerdem will sie Einsicht in verschiedene Unterlagen nehmen, um die Situation besser einschätzen zu können. Betroffene Anleger können gerne unverbindlich ein Musterschreiben für einen Widerspruch gegen das Fonds-Splitting unter tl-fonds-splitting@investmentcheck.de anfordern.

Loipfinger’s Meinung. ThomasLloyd hat in einem früheren Anlegerschreiben das Fonds-Splitting als „neue, vorteilhafte Phase für Ihre Fondsbeteiligung“ bezeichnet. Diese Umschreibung erscheint angesichts der Hintergründe aber als höchst fragwürdig und sogar irreführend. Eine ganze Reihe von Anlegern hat sich gegenüber Investmentcheck auch schon sehr missbilligend geäußert. Von blankem Entsetzen bis regelrechten Wutausbrüchen reicht das Spektrum der Rückmeldungen. Warum ThomasLloyd das tut, ist dabei die unbeantwortet im Raum stehende Frage, die zu wilden Spekulationen geradezu einlädt. Die Hinweise der Bundesregierung anlässlich einer Kleinen Anfrage zu einem laufenden Verwaltungsverfahren mit der BaFin und der Involvierung anderer zuständiger Behörden gibt ebenso Anlass zur Sorge wie die nun wiederholt ausgebliebenen Ausschüttungszahlungen. Die Grünen haben ThomasLloyd in ihrer Kleinen Anfrage den „Finanzskandalen“ zugeordnet. Investmentcheck hat 2019 Zweifel an ThomasLloyd geäußert. Corona nun als Ursache vorzuschieben ist absolut unglaubwürdig.

ThomasLloyd-Forum. Schon jetzt findet ein reger Austausch von ThomasLloyd-Anlegern im geschlossenen Forum von Investmentcheck statt. Unter investmentcheck.community können sich Investoren kostenlos eintragen und an dem Dialog teilnehmen.

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Nachtrag vom 8. Februar 2021. Die ursprüngliche Version wurde an wenigen Stellen redaktionell leicht verändert, um Missverständnisse zu vermeiden.

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