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Teures Gewissen

Unfaire Chancenverteilung beim KlimaVest der Commerz Real

28.01.2021 • Sie wollen das Klima retten und ihr Geld gut anlegen? Der im Herbst 2020 aufgelegte Impact-Fonds KlimaVest von der Commerzbank-Tochter Commerz Real soll es ermöglichen: „Zukunft – das beste Investment“, steht vollmundig auf der Homepage, die außerdem einen CO2-Rechner zur Ermittlung des persönlichen Fußabdrucks enthält. Schnell lässt sich ermitteln, wie viel ein Anleger in den Fonds stecken muss, damit er seine persönlichen Emissionen des Klimakillers neutralisiert. Doch ist das wirklich empfehlenswert? 231 Millionen Euro stecken schon im Fonds, der bis zu zehn Milliarden Euro einsammeln soll.

ELTIF. Der rechtliche Rahmen des KlimaVest ist als ELTIF ausgestaltet. Das ist ein European Long Term Investment Fund, der speziell für langfristige Beteiligungen und Sachwertinvestitionen geschaffen wurde (gemäß ELTIF-Verordnung 2015/760 des Europäischen Parlaments). Die Genehmigung für dieses Vehikel erteilte allerdings nicht die deutsche Finanzaufsicht BaFin, sondern die in Luxemburg zuständige Commission de Surveilance du Secteur Financier (CSSF). Ein deutscher Privatanleger darf dann investieren, wenn er höchstens zehn Prozent seines gesamten Portfolios an Finanzinstrumenten insgesamt in ELTIFs packt und die Zeichnungssumme gleichzeitig bei mindestens 10.000 Euro liegt. Besitzt ein Anleger also keinen der noch seltenen ELTIFs und er will 3,7 Tonnen CO2 mit einer Zeichnung von 10.000 Euro am KlimaVest ausgleichen, muss er mehr als 100.000 Euro Gesamtvermögen in Finanzinstrumenten nachweisen. Das Vorliegen dieser Bedingung muss ein dafür zugelassener Anlageberater wie zum Beispiel ein Commerzbank-Mitarbeiter im Rahmen einer Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung dokumentieren.

Als das beste Investment in die Zukunft beschreibt die Commerzbank ihren Fonds KlimaVest vollmundig.
Quelle: Screenshot von der Homepage klimavest.de

Gebühren. Die Liste der Kosten ist sehr lang. Das beginnt mit dem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, den überwiegend der Vermittler für seine Anlageberatung erhält. Derzeit ist das die Commerzbank, die den Fonds bisher exklusiv vertreibt. Die laufenden Gebühren liegen bei stolzen 1,92 Prozent, die vor allem für die Anlageverwaltung anfallen. Laut Investmentmemorandum wird eine durchschnittliche Gesamtkostenquote von 1,85 bis 2,85 Prozent angestrebt. Und obwohl diese gezeigten Aufwendungen schon sehr hoch sind, fehlen hier noch erhebliche Kosten. Zum Beispiel alle Ausgaben, die auf Ebene der Projektgesellschaften anfallen, da diese nicht in die Gebühren der Fondsgesellschaft einberechnet wurden. Leider hat die Commerz Real sich gegen einen Ausweis der Kosten auf beiden Ebenen ausgesprochen. Außerdem fehlen in der Gesamtkostenquote die Transaktionskosten von 1,5 bis 4,0 Prozent der Gesamtinvestitionskosten, die der Asset-Manager beim Kauf kassiert. Beim späteren Verkauf gibt es ein bis zwei Prozent. Bezogen auf das Anlegerkapital sind das wegen erheblicher Fremdmittel jeweils rund das 2,5-fache. In Summe verschwinden also ganz erhebliche Teile der angestrebten Rendite aus den Investments im Commerzbank-Konzern.

Renditeaussichten. In diesen Zeiten beträchtliche drei bis vier Prozent Jahresrendite will die Commerzbank den KlimaVest-Investoren ermöglichen. Allerdings ist hier kein Ausgabeaufschlag eingerechnet. Das Basisinformationsblatt zeigt deshalb bei der empfohlenen Mindestlaufzeit von fünf Jahren im mittleren Szenario nur 2,35 Prozent. Hier ist das Agio eingerechnet, eine eventuell anfallende Depotgebühr allerdings nicht. Läuft es sehr gut, kann ein Anleger mit einer minimalen Steigerung seiner Rendite auf 2,54 Prozent rechnen. Im Stressfall wären über fünf Jahre 0,23 Prozent Verlust p.a. zu verkraften. Wie sich diese Zahlen aber errechnen, hat die Commerz Real auf Anfrage von Investmentcheck nicht erklären wollen. Dabei wäre es für eine Anlageentscheidung sehr wichtig zu wissen, welche Rendite aus den Investments notwendig ist, um diese Nettorenditen zu erreichen. Eigentlich sollte ein Anleger gemäß Wertpapierhandelsgesetz „die kumulative Wirkung der Kosten auf die Rendite der Anlage verstehen“ (Paragraph 63 Absatz 7 WpHG). Leider nur sehr pauschal lässt sich aber trotzdem zusammenfassen, dass bei einer angenommenen Laufzeit von fünf Jahren deutlich mehr als die Hälfte der Investitionsrendite an Kosten anfällt. Danach übernimmt der Anleger also alle Risiken und erhält nur den kleineren Teil der Gesamtrendite, was getrost als unfaire Chancenverteilung gesehen werden darf.

Drei bis vier Prozent Rendite sollen Anleger mit dem KlimaVest verdienen.
Quelle: Screenshot von der Homepage klimavest.de

Risiken. Wer gedanklich den KlimaVest mit einer negativ verzinsten Bundesanleihe vergleicht, der sollte unbedingt den hinteren Teil des Informations-Memorandums lesen. Ab Seite 30 werden bis zum Ende der 52-seitigen Broschüre die Risiken beschrieben. Vor allem die Aussagen zum Fremdkapital (Leverage-Effekt) sind dringend anzuraten. Denn hier steckt ein ganz enormes Problempotenzial in dem Investment, wie die Aussage aus einer Pressemitteilung andeutet. Der ELTIF soll „ein Portfolio aus Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sowie nachhaltiger Infrastruktur, Mobilität und Forstwirtschaft im Wert von insgesamt mindestens 25 Milliarden Euro aufbauen, davon etwa 10 Milliarden Euro Eigenkapital“. Das heißt also, dass mehr als das 2,5-fache des Eigenkapitals in Investments fließt. Maximal wären bei einem Kreditvolumen von 60 Prozent auf Ebene der Projektgesellschaften (SPVs) und 30 Prozent auf Ebene des Fonds ein kumulierter Fremdkapitalanteil von 72 Prozent möglich. Angestrebt sind aber insgesamt 60 Prozent, wie die Commerz Real gegenüber Investmentcheck klarstellte. Als wenn das ein vorsichtiger Wert wäre.

Loipfinger’s Meinung. Die Commerzbank trifft mit dem KlimaVest einen Zeitgeist und könnte die zum Teil sehr fragwürdige Szene der grünen Anbieter von Kapitalanlagen aufmischen. Nur weil aber ThomasLloyd, UDI & Co. aus Anlegersicht noch schlimmer sind, sollte die Commerzbank nicht stolz auf ihr Produkt sein. Es ist völlig überteuert und aufgrund des hohen Fremdkapitalanteils mit erheblichen Risiken belastet. Nicht einmal Interessenskonflikte bei Investments durch den KlimaVest in andere, konzerneigene Produkte sind ausgeschlossen. Ist die Not der Commerzbank wirklich so groß, dass eigene Kunden derart dreist abkassiert werden? Oder soll die Commerz Real mit ein paar Cash-Cows einen tollen Business-Plan verpasst bekommen, um dann später über einen Börsengang ausgecasht zu werden? Traurig, wenn eine Staatsbeteiligung ein politisches Ziel derart missbraucht und glaubt, die grüne Farbe auf dem Produkt mache Kunden hinsichtlich der Rendite und der Transparenz zu anspruchslosen Investoren.

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