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Marktanalyse Publikums-AIF 2021
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Geringere Platzierungsumsätze 2020

Vor allem Vermögensanlagen werden weniger nachgefragt

11.02.2021 • Das Geschäft mit Publikums-AIFs und Vermögensanlagen war 2020 rückläufig. Bei den überwachten Produkten nach dem Kapitalanlagegesetzbuch reduzierte sich das gesammelte Anlegerkapital von 1,45 Milliarden um 15,5 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro. Knapp ein Drittel weniger platzierten die Anbieter von Vermögensanlagen. Nur noch 712 Millionen nach 1,05 Milliarden Euro kamen im Vorjahr zusammen.

Publikums-AIF. Der Rückgang von P-AIF dürfte zum Teil auch am Angebot gelegen haben, das mit 23 neu aufgelegten Fonds gegenüber dem Vorjahr um fünf Fonds zurückging. In 2018 kamen sogar noch 31 neue P-AIFs auf den Markt. Seit Einführung dieser neuen Produkte in 2013 gibt es nun 204 Fonds, mit denen bis Ende 2020 insgesamt 7,92 Milliarden Euro gesammelt wurden. Das Management führen 51 verschiedene Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) durch, von denen aber 2020 nur 24 mit einem Produkt aktiv waren. Gegenüber dem Vorjahr mit noch 32 aktiven Unternehmen hat sich damit jede vierte KVG nicht mehr engagiert. Der Schwerpunkt blieb wie schon die Vorjahre bei den risikogemischten Angeboten. Nur jeder elfte Euro floss in AIFs ohne Risikomischung, die auch nur an qualifizierte Anleger mit mindestens 20.000 Euro Beteiligungssumme platziert werden dürfen.

Vermögensanlagen werden seit Jahren immer weniger nachgefragt.
Quelle: Marktstudie geschlossene Publikums-AIF und Vermögensanlagen 2021

Vermögensanlagen. Knapp ein Drittel weniger platzierten die Anbieter von Kapitalanlagen nach dem Vermögensanlagengesetz. Nur noch 712 Millionen nach 1,05 Milliarden Euro kamen im Vorjahr zusammen, was konkret einen Rückgang von 32,4 Prozent darstellt. Das ist der niedrigste Wert seit 2014 und nur noch knapp ein Drittel der 1,99 Milliarden Euro aus 2015. Allerdings machte damals mit 40 Prozent Marktanteil den Hauptumsatz der seit 2018 insolvente Containeranbieter P&R aus.

Schwarmfinanzierungen. Weiter fortgesetzt hat sich der seit Jahren zu beobachtende Zuwachs bei den Schwarmfinanzierungen. Mit 51,6 Prozent haben sie erstmals mehr Kapital als die normalen Vermögensanlagen auf sich vereint. In 2019 lag der Marktanteil von Crowdfinanzierungen noch bei einem Drittel und in 2017 sogar nur bei einem Siebtel. In absoluten Zahlen ausgedrückt sammelten die Vermögensanlagen mit Verkaufsprospekt 345 Millionen Euro ein, während die über Crowdplattformen platzierten Gelder einen Betrag von 367 Millionen Euro ausmachten. Im Vergleich zum Vorjahr haben also die Schwarmfinanzierungen von 353 Millionen Euro um vier Prozent zugelegt, während die restlichen Vermögensanlagen von den 700 Millionen Euro in 2019 nicht einmal mehr die Hälfte davon in 2020 erreichten.

Marktführer. Insgesamt 1,16 Milliarden Euro sammelte Jamestown seit der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuches 2013 mit Publikums-AIFs ein. Der Zuwachs im vergangenen Jahr lag bei 170,3 Millionen Euro, was ebenfalls für den ersten Platz in der Jahreshitliste reichte. Der Abstand zu den Anbietern dahinter zeigt allerdings nur einen kleinen Teil der unterschiedlichen Platzierungskraft. Denn Jamestown hat schon im Januar 2020 nach wenigen Wochen die Kapitalakquise gestoppt, da der Objekteinkauf das Anlegergeld nicht schnell genug in vielsprechende US-Immobilien investieren konnte. Diese vier Wochen im Januar des Vorjahres reichten also, um mit einem Fonds mehr Geld einzusammeln als andere Marktteilnehmer über das ganze Jahr platzierten.

Marktführer verschwunden. In 2019 mit Abstand die Nummer 1 bei Vermögensanlagen war noch ThomasLloyd. Rund 226 Millionen Euro stehen weiterhin in deren Platzierungsliste. Ob diese Zahl etwas korrigiert werden muss, ist noch nicht bekannt, da deren Jahresabschlüsse für 2019 bis Redaktionsschluss nicht veröffentlicht waren. Einfacher ist es hingegen den Platzierungserfolg für 2020 zu schätzen. Da es in diesem Jahr keine von der BaFin gestattete Vermögensanlage gab, legte ThomasLloyd eine Vollbremsung auf null Euro hin. ThomasLloyd ist damit in guter Gesellschaft. Von dem platzierungsstärksten Dutzend (2014 bis 2020 kumuliert) haben unglaubliche sieben Anbieter in 2020 mit Vermögensanlagen keinen Umsatz mehr gemacht.

Anbieter von Vermögensanlagen und von Publikums-AIF sind häufig nicht transparent
Quelle: Marktstudie geschlossene Publikums-AIF und Vermögensanlagen 2021

Mangelhafte Transparenzbereitschaft. Schwarmfinanzierungen stellen das absolute Schlusslicht bei der Transparenzbereitschaft dar. Von gut 1.400 Presseanfragen blieben 80 Prozent völlig unbeantwortet. Nur zehn Prozent beantworteten alle Fragen, der Rest lag dazwischen. Die durchschnittliche Bewertung mit Transparenzsternen ergibt damit einen sehr geringen Wert von 0,71 (von 0 Sterne für absolute Intransparenz bis zu 5 Sterne für volle Transparenz). Bei den restlichen Vermögensanlagen ist es bezeichnend, dass 188 Anbieter auf Anfrage nicht einmal die Verkaufsunterlagen zur Verfügung stellten. Auch bei den Presseanfragen zu den Produkten, den Platzierungszahlen und der Prognoserechnung waren die Anbieter sehr zugeknöpft und in mehr als der Hälfte der Fälle nicht kooperativ. Publikums-AIF sind zwar transparenter als die Vermögensanlagen, aber insgesamt noch längst nicht zufriedenstellend. Die Presseanfragen von Investmentcheck sind nur zur Hälfte vollumfänglich beantwortet worden, zur anderen Hälfte eben nicht. Auch bei den Platzierungszahlen müssen immer wieder Recherchen über die Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger erfolgen, weil die Anbieter Anfragen dazu nicht beantworten wollen. Noch schlimmer ist es bei den Prognoserechnungen. Obwohl in den Wesentlichen Anleger-Informationen gesetzlich Angaben zu den Ertragsaussichten vorgeschrieben sind, ist die Mehrzahl der Anbieter nicht bereit eine nachvollziehbare Prognoserechnung dazu zu liefern. Nur 27 Prozent haben hier fünf Sterne erhalten. Im Durchschnitt ergibt sich eine magere Bewertung von 1,86 Sterne.

Loipfinger’s Meinung. Ende 2020 erfolgte die Millionste Schwarmfinanzierung. Dieses Geschäft dürfte auch 2021 stabil weiterlaufen. Knapp 25.000 neue Zeichnungen kommen hier pro Monat hinzu. Ganz anders ist es bei den Vermögensanlagen mit Verkaufsprospekt. Das Geschäft leidet seit Jahren und wird durch das geplante Gesetz zur weiteren Stärkung des Anlegerschutzes mit seinem vorgesehenen Verbot von Blind-Pools noch weiter verlieren. Ein Teil der Anbieter wird vermutlich auf Schwarmfinanzierungen ausweichen, da dort die Beschränkungen nicht greifen. Einige werden sich aber vermutlich dem Kapitalanlagegesetzbuch zuwenden, das ebenfalls Blind-Pools ermöglicht.

Umfangreiche Studie. Auf 140 Seiten sind in der „Marktstudie geschlossene Publikums-AIF und Vermögensanlagen“ nicht nur die Gesamtmarktzahlen abgebildet. Jeder darin eingeflossene Anbieter und Fonds wird aufgelistet. Auch Trends bei den Investitionsarten, Zeichnerzahlen und anderen Statistiken sind darin enthalten. Die Studie kann für 295 Euro inklusive Mehrwertsteuer hier bestellt werden.

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