Exporo Bestands-Debakel

Handverlesen ins Minus: Wie Exporo mit Bestandsimmobilien enttäuscht
Ist-Renditen liegen in allen 38 Fundings für Bestandsimmobilien weit hinter den Prognosen
Ist-Renditen liegen in allen 38 Fundings für Bestandsimmobilien weit hinter den Prognosen

„Exporo ist Deutschlands führende Plattform für digitale Investments in Immobilien und erneuerbare Energien.“ Über 1,1 Milliarden Euro sammelte die Plattform – vor allem als Mezzanine-Kapital für Immobilienprojektentwicklungen. Nicht wenige dieser Finanzierungen sind leistungsgestört oder sogar insolvent (siehe Funding-Übersicht). Die Quote der Planverfehlungen ist allerdings geringer als bei anderen Plattformen. Für ein Lob der Auswahl-Experten in Bezug auf „handverlesene Anlagemöglichkeiten“ reicht das jedoch nicht. Zumal es ein über mehrere Jahre propagiertes Bestandsgeschäft gab, bei dem kein einziges der aufgelegten Fundings die Planwerte erreicht hat. Investmentcheck hat die Zahlen von 38 Bestandsfinanzierungen ausgewertet und mit den anfänglichen Versprechen verglichen.

Mitten in Hannover
Es begann im November 2017 mit dem Wertpapierprospekt für Schuldverschreibungen der „Exporo Hannover GmbH“ im Gesamtvolumen von bis zu 5,5 Millionen Euro. Im werblich gestalteten Exposé sprach Exporo von einer nachrangigen Grundschuld und einer 100-prozentigen Vermietung. AnlegerInnen sollten quartalsweise Ausschüttungen von jährlich vier Prozent sowie zusätzlich 80 Prozent der Wertentwicklung erhalten. Insgesamt stellte die Plattform bei fünf bis zehn Jahren Laufzeit rund sechs Prozent Gesamtrendite in Aussicht: „Mit dem Immobilieninvestment ‚Mitten in Hannover‘ erhalten Sie Zugang zu vier attraktiven Bestandsimmobilien in zentralen Lagen der Landeshauptstadt Hannover. Die vier Objekte in den Stadtteilen Zooviertel, Mitte, Kleefeld und Südstadt wurden dazu von erfahrenen Immobilienexperten geprüft und von der Exporo-Tochter ‚Exporo Hannover GmbH‘ angekauft.“ Neben diesen Sicherheitsbausteinen eines Immobilieninvestments ohne Entwicklungsrisiken versprach Exporo eine hohe Transparenz über die Finanzkennzahlen sowie die einmaligen und laufenden Kosten.

Verlust statt sechs Prozent Rendite
Von 29 Quartalsausschüttungen sind einige vollständig ausgefallen, und der Gesamtbetrag hinkt mit 20,7 Prozent den geplanten 29 Prozent deutlich hinterher. Ins Minus treibt die bisherige Gesamtperformance jedoch der stark gesunkene Wert der Anleihe: Derzeit werden zahlreiche Anteile zu etwa 75 Prozent des Nominalwertes angeboten. Zu diesem Preis will momentan keiner Kaufen und die Kurse der letzten tatsächlichen Umsätze zeigt Exporo nicht auf ihrer Handelsplatz-Homepage, die eine Veräußerbarkeit bieten soll. Selbst unter Einrechnung des vermutlich zu hohen Briefkurses ergibt sich ein jährliches Minus von 0,7 Prozent – was im Vergleich zur geplanten Rendite von sechs Prozent eine beinahe peinliche Abweichung darstellt.

Apartments am Markt
Das älteste Immobilienbestands-Investment ist längst nicht das negativste Beispiel. Die rote Laterne tragen die „Apartments am Markt“ in Hamburg. Im Exposé von März 2019 kalkulierte Exporo mit einer Gesamtrendite von jährlich 6,4 Prozent. 95 Micro-Apartments waren voll vermietet und sollten quartalsweise zahlbare Ausschüttungen von 4,5 Prozent ermöglichen. Tatsächlich fließt seit dem ersten Quartal 2021 kein Geld mehr an die AnlegerInnen. Aktuell lässt Exporo über einen Verkauf abstimmen, bei dem rund 50 Prozent Verlust realisiert werden sollen. Geschädigte beklagen sich im Forum Investmentcheck.Community deutlich über die damalige Ankaufsbewertung durch den Gutachter Klaus Wagner. Der angebliche Wert von zwölf Millionen Euro liegt weit über den heute erzielbaren Preisen – obwohl laut einiger Marktexperten die Werte an diesem Standort sogar gestiegen sein müssten. Exporo gießt zusätzlich Öl ins Feuer, indem es das einstige Transparenzversprechen missachtet. Im Forum hat sich mittlerweile ein Quorum gebildet, das nun einen gemeinsamen Vertreter zur tiefergehenden Prüfung der Vorgänge fordert. Exporo ignoriert den Antrag bislang mit dem Hinweis, man müsse diesen erst „sorgfältig“ prüfen.

Loipfinger’s Meinung
Exporo möchte in der Top-Liga der deutschen Immobilienprofis mitspielen. Die Rede von „handverlesenen Anlagemöglichkeiten“ in Verbindung mit „Sicherheiten und Kontrolle“ suggeriert eine „Absicherung für Ihr Investment“. Der Slogan „Investieren wie ein Eigentümer“ wirft die Frage auf, ob die „professionelle Objektprüfung“ von Exporo tatsächlich besser war als die Auswahl eines Privatanlegers. 38 Fundings – und kein einziges liegt im Plan. Das ist die ernüchternde Bilanz der Exporo-Expertinnen und Experten. Im Anlegerforum Investmentcheck.Community formiert sich derzeit eine Gruppe enttäuschter InvestorInnen, die die mangelnde Transparenz nicht länger hinnehmen wollen.

Liste der Exporo Bestands-Debakel
Die nachfolgende Liste zeigt in alphabetischer Reihenfolge die untersuchten Fundings mit Bestandsimmobilien. Bei der Soll-Rendite handelt es sich jeweils um die bei Emission in Aussicht gestellte Gesamtrendite, bestehend aus Ausschüttungen und erwarteten Wertsteigerungen. Die Ist-Rendite wurde anhand der tatsächlich geleisteten Ausschüttungen und des letzten Briefkurses berechnet. Beim Briefkurs handelt es sich um echte Verkaufsofferten, zu denen bisher jedoch niemand kaufen wollte. Zugunsten der Plattform wurde dennoch mit diesen in zahlreichen Fällen vermutlich zu hohen Werten gerechnet.

FundingnameIst-RenditeSoll-Rendite
Altstadt Ensemble am Dom0,7%7,1%
Am Holstenplatz1,6%6,1%
Am Vahrenwalder Platz-1,6%6,2%
An der Kö1,3%5,5%
Apartments am Markt-11,1%6,4%
Arbeitsagentur in der Domstadt-4,0%5,5%
Ärztehaus am Kurpark1,6%6,7%
Ärztehaus Poppenbüttel-0,6%6,3%
Behörde am Schlossplatz2,6%7,1%
Betreutes Wohnen Hürth-1,2%7,6%
Büropark an der deutschen Börse-1,8%6,7%
Carl-Zeiss-Ensemble-5,1%6,4%
Drogerie- und Gesundheitszentrum Schloßstraße1,5%5,9%
Elbstadt Schiller Center4,0%6,4%
Ensemble an der Luther-Universität-7,7%5,7%
Ensemble im historischen Stadtkern1,8%7,1%
Gesundheitszentrum am Hasselbachplatz0,1%6,4%
Gründerzeit Portfolio-5,9%6,1%
Institut Mannheim4,8%6,7%
Kita im Diplomatenviertel2,6%5,4%
Kita in der Ruhrmetropole-8,8%3,5%
Kita Winterhude0,1%6,3%
Leben am Maschsee2,1%5,4%
Main-Office-Center Frankfurt-Langen-7,5%5,6%
Mitten in Göttingen I1,4%5,6%
Mitten in Hannover-0,7%6,0%
Modern Office Augsburg / Nürnberg1,1%4,5%
Modern Office Munich4,2%5,7%
Modern Working Skandinavia1,8%4,5%
Nikolai Groner Ensemble1,9%6,2%
Polizei Hattingen1,4%5,4%
Schulbehörde in der Landeshauptstadt0,4%5,0%
Sozialrathaus Frankfurt-3,1%6,3%
Stadtteilzentrum Unterbach-6,3%5,7%
Villa Berlin1,3%4,7%
Villen am Kurpark-1,8%5,5%
Wohnen in Hamburgs Bestlagen-0,2%6,1%
Wohntrio-2,4%5,6%

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Kommentare

10 Kommentare zu „Exporo Bestands-Debakel“

  1. Avatar von Jörg Peters
    Jörg Peters

    Leider habe ich auch privat in mehrere Projekte investiert und nur Pleiten erlebt .
    Leider auch Geld meiner Tochter.

    Ausdrücklich deshalb .

    Finger weg von Exporo !!!!

  2. Avatar von Colonius MW
    Colonius MW

    Leider kann ich mich den Vorberichten nur anschließen,
    habe zahlreiche Investments gemacht, gut gestreut i.d.R. mit „A“ von Exporo bewertet (Sagt nicht wirklich was).
    Am Anfang klappte das auch mal bei den Finanzierungen, aber auch da zahlreiche Insolvenzen, Verzögerungen etc. und Unklarheit ob die sich überhaupt drum kümmern … Nachfragen auch bei anderen technischen Problemen via Hotline zwar nett und bemüht aber ohne wirkliche Substanz und z.T. auch verzweifelt. Die 2025 erschiene Folge Simon Brunke in Deutschland Deine Unternehmer (Amazon Prime Video), bemüht sich ein Bild eines erfolgreichen und integren CEO zu zeichnen. Aber die scheinen den Laden nicht im Griff zu haben, nur die Optimierung Ihrer Marge (bereits beschriebene „Optimierungen und Vergütungen“ die i.d.R. wohl in die Taschen der Exporo Macher und Freunde gehen. Sehr Schade!

  3. Avatar von CBF600
    CBF600

    Finger weg von Exporo, das ist bauen ohne Geld. Pleiten über Pleiten.
    Ich war einst begeistert von Exporo, aber das ist lange her .
    Daher ausdrückliche Warnung.

  4. Avatar von Elfi Skirl
    Elfi Skirl

    Außer Spesen nichts gewesen. Gilt jedenfalls für mich als Anleger. Für EXPORO sicher weiterhin ein gutes und lukratives Geschäftsmodell. Für die Betreiber dieser Plattform wird es sich sicherlich lohnen Geld und Zeit für die Anwerbung weiterer „Investoren“ zu generieren. Schließlich hat EXPORO immer fleißig darauf hingewiesen, dass es zu einem Totalverlust kommen kann. Aber ich Dummerchen, bildete mir ein das ist die Ausnahme und nicht die Regel. Wie dem auch sei, ich jedenfalls werde mich juristisch beraten lassen.
    Zumal, wegen der Masse an geschädigten Investoren, ein Verfahren nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMUG) zugelassen und bereits eröffnet wurde.
    Stehe im Austausch zu verschiedenen Verbraucherschutzverbänden und pflege meine guten Kontakte zur Presse. Ich will nicht zusehen wie die Hoffnung stirbt, ich will lieber Zeuge werden, wie solche Geschäftsmodelle vom Markt verschwinden.

  5. Avatar von MussDer fa
    MussDer fa

    Die Anlagen sind mit sehr hohen KOSTEN gestartet
    und werden abgeschöpft …
    Das erinnert an Schiffscontainer Fonds mit 10-14% Provision .. gesunken bevor man den Hafen verlassen hat.

    Sobald man eine überdurchnittliche Rendite erwartet muss ein hohes Risiko da sein. Lukrativ ist es schon 10-20% bei Swapsatz von 3% zu kassieren.
    EK FK Hebel und der Arrangeur Croupier verdient wie im Casino!

  6. Avatar von Robert
    Robert

    Wo könnte die Rendite derjenigen Bestandsprojekte wohl hin sein, bei denen die Miete doch wieder fließt? Aktuelles Beispiel „Wohntrio“: Es werden Hausverwaltungskosten zusätzlich zu Verwaltungskosten zusätzlich zu Kosten für den Jahresabschluss zusätzlich zu Provisionszahlungen für die Neuvermietung zusätzlich zu Kosten für ein Bauprojektmanagement zusätzlich zu der – mein Favorit – „Spitzenabrechnung der Asset-Management-Gebühren“ vereinnahmt. Einsicht in die dem zugrundeliegenden Auftragsverhältnisse und Profiteure erhält man nicht. So lassen sich diese unerwarteten Kostenpositionen nicht auch nur auf Veranlassung, geschweige denn auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüfen.

  7. Avatar von Maria
    Maria

    Ich dachte die hochgelobten Bestandsimmobilien in guter Lage seien eine gute sichere Anlage.
    Leider bleiben die Renditen bei meinen Anlagen weit hinter den Prognosen zurück. Das kann doch nur am Management liegen, denn Immobilien und Wohnungen sind doch extrem nachgefragt.
    Ich habe noch die Hoffnung, dass nach den 10 Jahren beim Verkauf der Immobilien ein gutes Ergebnis herauskommt, um die schlechten Renditen aufzufangen. Hoffentlich !!!!

  8. Avatar von Thomas Müller
    Thomas Müller

    Da wäre ich mit einem offenen Deka Immofond besser gefahren, als diesen Amateuren mein Geld anzuvertrauen. Gehe trotz breiter Streuung bei den Bestandsimmobilien nicht davon aus meinen Gesamteinsatz wieder zu sehen.

  9. Avatar von Dieter Klaes
    Dieter Klaes

    Von meinen 5 Investitionen wurde keine zurückgezahlt.
    Exporo: „Haben Sie Verständnis, dass wir Ihrer Bitte nach Kopien unseres Schriftverkehrs mit den Projektentwicklern aus Datenschutzgründen nicht nachkommen Können.“
    Projekte: 1. Am alten Postamt Bremen 2. Apartment im 2 Bezirk Wien, 3. Geschäftshaus Hamburg,
    4. Office in der Maxvorstadt München, 5. Staatsarchiv im Perertzhaus II Chemnitz.

  10. Avatar von Günter
    Günter

    Es ist und bleibt ein Trauerspiel!

    Nachrang-Darlehen für teils hochambitionierte Neubau-Projekte – gut, da muss man um das mögliche Risiko wissen, die Flut der Pleiten sein 2021/22 zeigt, wie schnell ein verändertes Marktumfeld hochfliegende Pläne haben abstürzen lassen.

    Aber solide Bestandsimmobilien in Toplagen, mit Haltedauer 10 Jahre bei überschaubaren Rendite-Erwartungen – was kann man da falschmachen? Was kann da bei genauer Prüfung durch Experten mit Erfahrung dermaßen schieflaufen, dass nach der Hälfte der Laufzeit ALLE Projekte weit unter den Erwartungen (Versprechen?) liegen und die Renditen, sofern nicht sogar im Minus, praktisch nicht nennenswert sind.

    Auf dem Zweitmarkt-Portal werden die Objekte wie sauer Bier angeboten, liegen dennoch wie Blei in den Regalen.

    Der Immobilienmärkte sind derzeit wieder im Aufschwung, die Mieten steigen überproportional. Turnusgemäß müssten wir also bis zum Ende der Laufzeit dieser Bestandsobjekte wieder Höchstpreise sehen können. Bin gespannt, was Exporo daraus macht: Ob die schwachen Erfolge bis dahin wettgemacht werden können und zu einer dann deutlich besseren Performance über die Gesamtlaufzeit führen?

    Ich mag die Hoffnung nicht aufgeben. Doch die Skepsis überwiegt bei Weitem!

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